WENN UNS die Alltagsmüdigkeit überkommt, bietet sich der Herr als Garant dafür an, dass wir unsere Kräfte erneuern und unser Geist zur Ruhe kommt: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken (Mt 11,28). Eine Zeit des stillen Gesprächs mit ihm kann uns helfen, die Ereignisse des Tages aus einer neuen Perspektive zu sehen: Mit den Augen Gottes betrachtet, der ein barmherziger Vater ist, gewinnt alles seinen Sinn und seine Bedeutung. Deshalb ist das Gebet eine Art Zufluchtsort: Beim Tabernakel lösen sich die Spannungen, verfliegt der Ärger, kehrt der Friede zurück und verschwinden die Wolken, die unsere Freude getrübt haben.
Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus! (Mk 6,31), so lud der Herr seine Aposteln einmal ein, und diese Einladung richtet er auch an uns. In der Hektik eines geschäftigen Tages und in einer vielleicht lauten Umgebung mag es wie ein schöner, aber unerreichbarer Traum erscheinen, dem Trubel zu entkommen. Wir sehnen uns danach, uns den vielen Reizen zu entziehen, die unsere Aufmerksamkeit beanspruchen, um uns auf das Wesentliche zu besinnen, merken aber, dass das nicht so leicht ist.
Papst Franziskus hat uns einige praktische Ratschläge gegeben, um eine Atmosphäre der Besinnung zu schaffen: „Lernen wir, innezuhalten, das Handy auszuschalten, die Natur zu betrachten, uns im Dialog mit Gott zu regenerieren.“1 So wie körperliche Ruhe dem Leib hilft, sich zu erholen, geschieht Ähnliches in unseren Herzen und Seelen, wenn wir uns, ohne Eile, eine stille Zeit für Gott nehmen. Er wird uns helfen, die Freude und Gelassenheit wiederzufinden – wenn wir sie verloren haben – und uns die Kraft geben, uns erneut den kleinen oder großen Schlachten eines jeden Tages zu stellen.
IM LAUFE der Jahre ist es normal, dass wir uns nach einem Arbeitstag auch einmal etwas erschöpfter fühlen oder dass uns ein immer wiederkehrender Fehler, sei es der eigene oder der eines anderen, zunehmend stärker zusetzt. Darüber hinaus kann uns der Ausbruch einer Krankheit nicht nur physisch, sondern auch innerlich schwächen. In solchen Momenten ermutigt uns der Gründer des Opus Dei, Zuflucht in der ständigen Verbindung mit Christus zu suchen. „Und ihr werdet feststellen, wie leicht dann der Kampf fällt“, sagte er. „Ihr werdet sehen, dass sich alles, alles, alles – selbst das, was Schwäche zu sein schien – in Stärke verwandelt.“2
Mit einer solchen Einstellung erleben wir diese Schwierigkeiten auf eine neue Weise. Jesus löst Probleme in der Regel nicht mit einer Art Magie, wie wenn wir uns nur an ihn wenden müssten, um ein sorgenfreies Leben zu haben. Wenn wir Zuflucht bei seinem Herzen suchen, ändern sich die äußeren Ereignisse nicht unbedingt, doch wir lernen, eine göttliche Perspektive auf alles zu haben, was uns widerfährt. Selbst das, was uns widerstrebt und was wir nicht ganz verstehen, hat einen Sinn, den wir entdecken können, wenn wir auf Gott vertrauen. „Dann können wir die Dinge mit seinem Blick betrachten“, sagt Papst Franziskus, „denn er sieht über den Sturm hinaus. Durch seinen gelassenen Blick können wir ein Panorama erkennen, das wir auf uns allein gestellt nicht einmal ahnen könnten.“3
DER HERR rechnet damit, dass wir unseren Mitmenschen helfen, sich zu erholen. Dabei ist er es, der ihnen durch uns Trost und Ermutigung schenkt. Wahrscheinlich haben auch wir diese Stärkung erfahren, wenn ein Freund, eine Freundin uns, wie Jesus, zugehört und uns durch Worte und Gesten getröstet hat. Hinter einer solchen Zuwendung steckt die tiefe Einsicht, dass Gott sich unserer Menschheit bedienen will, um seine Barmherzigkeit anderen zuzuwenden.
Für die Erholung der anderen sorgen, kann auch heißen, die Last ihrer Sorgen und Anliegen mit ihnen zu teilen, indem wir die Bürde übernehmen, die sie erschöpft oder bedrängt. Das bedeutet wiederum, dass wir unser Programm zurückstellen und unsere Pläne anpassen. Eine bestimmte Tätigkeit oder eine Aufgabe tritt dann in den Hintergrund, damit wir demjenigen, der unsere Hilfe benötigt, beistehen können. So wird unser Herz dem Herzen Jesu ähnlicher, der unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen hat (Des 53,4). Er war bereit, für uns gleichmütig bis an die Grenzen des Vorstellbaren zu leiden.
Zu sehen, dass Jesus unsere Bürde auf sich genommen hat, ermutigt uns, dasselbe für andere zu tun. Die Mutter Gottes wird uns helfen, in ihrem Sohn frische Kraft zu finden und diese an unsere Mitmenschen weiterzugeben. Als Mutter erkennt sie sofort, wenn wir müde oder belastet sind. Und wie zum seligen Juan Diego in Mexiko wird sie uns fragen: „Bin ich nicht da? Weißt du nicht, dass ich deine Mutter bin? Bin ich nicht deine Hilfe?“4
1 Franziskus, Angelusgebet, 18.7.2021.
2 Hl. Josefmaria, Während er unterwegs mit uns redete, S. 176.
3 Franziskus, Audienz, 10.11.2021.
4 Worte unserer Lieben Frau von Guadalupe an den seligen Juan Diego, 12.12.1531.

