JESUS ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er zieht durch Städte und Dörfer und verkündet das Reich Gottes. Als er in das Herrschaftsgebiet von Herodes Antipas kommt, warnen ihn einige Pharisäer: Der Vierfürst wolle ihn töten. Ob sie Jesus tatsächlich schützen oder ihn nur zum Verlassen der Gegend bewegen wollen, bleibt offen. Seine Antwort ist jedenfalls unmissverständlich: Heute und morgen und am folgenden Tag muss ich weiterwandern; denn ein Prophet darf nicht außerhalb Jerusalems umkommen (Lk 13,33).
Jesus lässt sich von Herodes, den er wegen seiner Verschlagenheit einen Fuchs nennt, nicht einschüchtern. Er wird weiterhin predigen und Menschen von ihren Leiden befreien. Weder Widerstand noch Gefahren können ihn davon abbringen, die Sendung zu erfüllen, die ihm der Vater anvertraut hat. Dabei orientiert er sich nicht an Erfolgsaussichten oder taktischen Überlegungen. Was ihn trägt, ist sein Vertrauen auf den Vater und seine völlige Hingabe an dessen Heilsplan.
Auch wir geraten manchmal in Situationen, in denen es schwerfällt, dem Willen Gottes treu zu bleiben und nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu handeln. Dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gottes Hilfe größer ist als die Hindernisse, die sich uns in den Weg stellen. Der heilige Josefmaria schrieb: „Ohne den Herrn könntest du nicht einen einzigen sicheren Schritt nach vorn tun. Diese Gewissheit, dass du seine Hilfe benötigst, wird dich dazu führen, dich enger mit ihm zu vereinigen, in starker und ausdauernder Zuversicht – voll Freude und Frieden auch dann, wenn der Weg steinig und steil wird.“1
JERUSALEM, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt (Lk 13,34). In dieser Klage kommt Jesu tiefe Liebe zu seinem Volk zum Ausdruck. Immer wieder hatte Gott Propheten gesandt, um Israel zur Umkehr einzuladen. Nun möchte Jesus selbst die Menschen unter seinen Schutz nehmen. Mit derselben väterlichen und mütterlichen Zuneigung wendet er sich auch uns zu und lädt uns ein, immer wieder zu ihm zurückzukehren.
Doch in Jesu Worten klingt auch der Schmerz über die Zurückweisung seiner Liebe an. Gott drängt sich niemandem auf. Er achtet unsere Freiheit, selbst wenn wir uns von ihm abwenden. Siehe, euer Haus wird euch selbst überlassen (Lk 13,35), sagt Jesus. Wo Gott keinen Platz mehr im Herzen hat, entsteht eine Leere, die sich durch Ablenkungen und eigene Interessen nicht dauerhaft füllen lässt.
Jesus kommt nach Jerusalem als König des Friedens, um die Menschen mit dem Vater zu versöhnen. Er will nicht verurteilen, sondern retten. Der heilige Josefmaria sagte: „Er kommt nicht, um uns zu verurteilen und uns unsere Bedürftigkeit und Gemeinheit vorzuhalten: Er kommt, um uns zu retten, uns zu vergeben und uns zu entschuldigen, um uns den Frieden und die Freude zu schenken. Wenn wir diese wunderbare Beziehung des Herrn zu seinen Kindern einmal erkannt haben, verwandeln sich unsere Herzen wie von selbst. Und wir bemerken, dass sich vor unseren Augen ein ganz neues Panorama voller Tiefe und Licht auftut.“2
WIR CHRISTEN fühlen uns Jerusalem, der Heiligen Stadt, besonders verbunden. Hier hat sich unsere Versöhnung mit Gott vollzogen. Schon vor Christus war Jerusalem der Ort, „an dem Gott und die Menschen mehr als nirgendwo sonst miteinander gesprochen haben, als wäre es ein Treffpunkt zwischen Himmel und Erde.“3 Hier wirkte Jesus, hier starb er und erstand von den Toten auf, hier entstand die erste christliche Gemeinde. Papst Johannes Paul II. bezeichnete Jerusalem als „Symbol der Begegnung, der Einheit und des Friedens für die ganze Menschheitsfamilie“. Zugleich beklagte er, dass die Stadt „bis heute ein Ort anhaltender Rivalitäten, Gewalt und ausgrenzender Ansprüche ist“4.
Wenn wir Jesus vor Augen haben, der über Jerusalem weint, können wir uns mit seiner Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung verbinden. Beten wir deshalb besonders für die Menschen im Heiligen Land. Papst Franziskus wandte sich an die dortigen Christen mit den Worten: „Für euch und mit euch bete ich: Herr, der du unser Friede bist (vgl. Eph 2,14-22), der du die Friedensstifter seliggepriesen hast (vgl. Mt 5,9), befreie das Herz der Menschen von Hass, Gewalt und Rachsucht.“ Und er versicherte ihnen: „Ihr seid nicht allein, und wir werden euch nicht allein lassen. Wir bleiben im Gebet und durch tätige Nächstenliebe an eurer Seite.“5
Bitten wir Maria um Frieden für das Heilige Land und die ganze Welt. Der heilige Josefmaria ermutigte dazu, sie gerade in Zeiten von Konflikten anzurufen: „Unsere Liebe Frau ist – wie die Kirche sie nennt – die Königin des Friedens. Wenn also deine Seele aufgewühlt ist, wenn Sorgen in der Familie oder bei der Arbeit drohen oder Konflikte die Gesellschaft oder Völker bedrängen, dann rufe sie an: Regina pacis, ora pro nobis! – Königin des Friedens, bitte für uns!“6
1 Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 770.
2 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 165.
3 Hl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Redemptionis Anno über die Stadt Jerusalem, 20.4.1984.
4 Ebd.
5 Franziskus, Brief an die Katholiken im Heiligen Land, 27.3.2024.
6 Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 874.

