Betrachtungstext: 19. Woche im Jahreskreis – Montag

Die Apostel verstehen Jesus nicht – Die Traurigkeit verstellt uns die Freuden des Lebens – Einfachheit, um Jesus zu gewinnen

MANCHMAL verstehen die Apostel Jesus nicht. Seine Worte und sein Handeln bleiben ihnen rätselhaft. Nach der Brotvermehrung begreifen sie seine Warnung vor dem Sauerteig der Pharisäer nicht, und Jesus fragt sie: Was macht ihr euch darüber Gedanken, dass ihr kein Brot habt? Begreift ihr noch nicht? (Mt 16,8-9). Als er sein Leiden ankündigt, will Petrus ihn davon abbringen. Doch Jesus weist ihn zurecht: Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen (Mt 16, 23).

Auch unser Glaubensweg kennt solche Augenblicke. Nicht immer erkennen wir den Sinn dessen, was uns widerfährt. Der Herr nimmt uns die Dunkelheit des Glaubens nicht ab. Die Apostel, die Heiligen und viele Christen vor uns haben diese Erfahrung gemacht. Entscheidend ist, ihr nicht das letzte Wort zu geben. Hinter den Wolken scheint die Sonne, auch wenn wir sie im Augenblick nicht sehen.  

Petrus wollte das Kreuz um jeden Preis vermeiden. Jesus dagegen zeigt, dass gerade dort neues Leben entsteht. So kann auch in unseren Schwierigkeiten ein Gut verborgen sein, das wir erst später erkennen. Der heilige Josefmaria schreibt: „Diese Ungewissheit ist eine weitere Wohltat der Liebe Gottes, denn wie ein kleines Kind muss ich nun Zuflucht in den Armen des Vaters suchen und jeden Tag ein wenig kämpfen, damit ich mich nicht von ihm entferne. Dann bin ich sicher, dass Gott mich nicht von seiner Hand lassen wird.“1 Bitten wir den Herrn, ihm auch dann zu vertrauen, wenn wir seine Wege nicht verstehen, und die Gewissheit nie zu verlieren, dass er uns sieht, begleitet und für uns sorgt.


NACH weiteren Missverständnissen kündigt Jesus seinen Jüngern erneut sein Leiden an: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert werden und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferweckt werden (Mt 17,22). Man könnte meinen, die Apostel hätten inzwischen gelernt, in seinen unerwarteten Ankündigungen einen Heilsplan zu erkennen. Doch davon sind sie immer noch weit entfernt. Das Evangelium berichtet nur: Sie wurden sehr traurig (Mt 17,23).

Ihre Traurigkeit verengt ihren Blick. Sie hören die Ankündigung des Leidens, überhören aber die Verheißung der Auferstehung. Gerade darin liegt aber der Schlüssel zur Hoffnung: Das Kreuz hat einen Sinn, weil es zum neuen Leben führt. Papst Franziskus erinnert daran, dass die Wüstenväter die Traurigkeit „als einen Wurm im Herzen“ beschrieben, der den Menschen von innen aushöhlt.2 Wer ihr zu viel Raum gibt, sieht vor allem das, was fehlt, und verliert leicht den Blick für das Gute, das Gott bereits schenkt.

Auch in unserem Leben wechseln sich Karfreitag und Ostern ab. In den täglichen Ereignissen, in unseren Beziehungen und Aufgaben spricht Gott zu uns. Im Licht der Auferstehung erkennen wir nach und nach, dass wir selbst schmerzlichen Erfahrungen einen Sinn abgewinnen können. Deshalb sagt Papst Franziskus: „Der Glaube vertreibt die Angst, und die Auferstehung Christi nimmt die Traurigkeit hinweg wie den Stein vom Grab.“3 Bitten wir den Herrn um die Gnade, unsere Schwierigkeiten immer im Licht seiner Auferstehung zu betrachten.


AUF DIE Apostel zu schauen, kann uns Mut machen. Sie kannten Misserfolge, Zweifel und Enttäuschungen, doch eines fehlte ihnen nie: die Einfachheit des Herzens. Sie verschweigen ihre Fragen nicht: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben? (Mt 17,19). Ein anderes Mal bitten sie Jesus um eine Erklärung: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? (Mt 13,10). Sie zeigen ihre Freude auf dem Tabor: Herr, es ist gut, dass wir hier sind (Mt 17,4) – und ebenso ihre Traurigkeit über die zweite Ankündigung der Passion (vgl. Mt 17,23). Der heilige Josefmaria lädt uns ein, gerade diese Haltung nachzuahmen: „Sieh, die Apostel waren, bei all ihren offenkundigen und unleugbaren Fehlern, aufrichtig, schlicht …, durchsichtig. Auch du hast offenkundige und unleugbare Fehler. – Dass dir doch nicht die Einfachheit fehle.“4

Einfachheit führt uns dazu, uns ganz in Gottes Hände zu legen und unser Vertrauen nicht auf uns selbst zu setzen. Sie zeigt sich im Gebet, wenn wir ohne große Worte zu Gott kommen, in unseren Beziehungen, wenn wir die Menschen so annehmen, wie Gott sie geschaffen hat, und auch dann, wenn wir unsere Zweifel offen vor den Herrn bringen. Maria hat diesen Weg in vollkommener Weise gelebt. Gerade weil sie sich klein wusste, konnte Gott sie mit seiner Gnade erfüllen. Papst Franziskus sagt: „Das Geheimnis ihres Erfolges liegt gerade darin, sich selbst als klein und bedürftig zu erkennen. Bei Gott kann nur derjenige alles empfangen, der weiß, dass er nichts ist. Nur wer sich selbst entäußert, wird von ihm erfüllt.“5 Bitten wir sie, uns jene Einfachheit des Herzens zu schenken, die Gott Raum gibt, in unserem Leben zu wirken.


1 Hl. Josefmaria, Kreuzweg, 14. Station, 5.

2 Franziskus, Audienz, 7.2.2024.

3 Ebd.

4 Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 932.

5 Franziskus, Angelus-Gebet, 15.8.2021.