Unter dem Motto „Fülle eine Schuhschachtel“ sorgte eine Gruppe junger Frauen für doppelte Weihnachtsfreude: bei den obdachlosen Empfängern und den vielen Spendern.
„Die Initiative Young Professional Women for Praterstern entstand aus der tiefen Bewunderung für eine außergewöhnlich engagierte Frau“, erklärt Antonia, eine der Voluntärinnen. Gemeint ist Barbara, verheiratet und Mutter erwachsener Kindern, die seit mehr als dreißig Jahren allabendlich Obdachlosen rund um den Verkehrsknotenpunkt Praterstern eine warme Mahlzeit, ein freundliches Wort und menschliche Wärme schenkt. „Dieses unermüdliche Engagement hat uns, eine Gruppe junger berufstätiger Frauen, motiviert, selbst aktiv zu werden und aus Mitgefühl und Tatendrang heraus dieses Projekt ins Leben zu rufen, das Woche für Woche Licht in das Leben von Obdachlosen bringt.“

Seit drei Jahren treffen sich die jungen Frauen – die Kerngruppe umfasst acht bis neun Personen, dazu kommen weitere Voluntärinnen – jeden Donnerstag im Bildungszentrum Stubentor. Dieses Zentrum des Opus Dei richtet sich mit einem eigenen Angebot an junge berufstätige Frauen und verfügt außerdem über eine große Küche. Dort wird gemeinsam ein gutes Abendessen gekocht, das in große transportable, d. h. schließbare Gefäße gefüllt wird; diese konnten dank der Erlöse aus Benefizkonzerten angeschafft werden. Anschließend geht es los zum Praterstern, um gemeinsam mit Barbara das Essen zu verteilen – und Begegnungen zu ermöglichen. „Viele Helferinnen empfinden diese Einsätze als zutiefst bereichernd“, sagt Antonia. „Sie hören Lebensgeschichten, die zu Herzen gehen, erleben aufrichtige Dankbarkeit und erfahren, wie wertvoll es ist, die eigenen Mittel großzügig mit sozial Schwächeren zu teilen.“
Im Herbst entstand die Idee, zu Weihnachten noch einen zusätzlichen Akzent zu setzen – angeregt auch durch die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., Dilexit te. „Wir haben überlegt, wie wir den Obdachlosen eine besondere Freude machen könnten“, berichtet Esther. Auf der Suche nach einer einfachen, aber persönlichen Geste stießen die Voluntärinnen auf die bekannte Schuhkartongeschenk-Methode – und adaptierten die Idee für ihr Zielpublikum. Sie gestalteten einen Flyer mit klaren Hinweisen zu Inhalt und Verpackung und verteilten ihn im Freundes-, Familien- und Kollegenkreis. Gefragt waren neue, brauchbare und haltbare Dinge – etwa Mütze, Handschuhe, Duschgel und Schokolade –, mit welchen eine Schuhschachtel befüllt werden konnte. In schönes Weihnachtspapier gewickelt sollte jede einzelne Schachtel Freude bereiten.
Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. „Meine Chefin war so begeistert, dass sie meinte, ich solle das gleich in unseren Bürochat stellen“, erzählt Esther. „Am Ende haben wir allein dort 17 Schachteln gesammelt.“ Insgesamt kamen rund 60 liebevoll gefüllte Kartons zusammen. Besonders bewegend war für die Initiatorinnen die Rückmeldung der Spender: „Danke, dass ich mit meinem Sohn zu Weihnachten etwas Gutes tun konnte“, oder: „Danke, weil ich Zeit und Geld sinnvoll eingesetzt habe“ – solche Sätze hörten sie immer wieder.
Drei Tage vor Weihnachten war es schließlich so weit: Vier Voluntärinnen fuhren zum Praterstern und überreichten die Geschenke persönlich – begleitet von einem herzlichen „Frohe Weihnachten“. Die Überraschung war groß, die Freude ebenso. „Es war einfach eine einmalig gelungene Aktion“, fasst Esther zusammen.
„Aus dem inspirierenden Beispiel einer einzelnen Frau ist in den vergangenen drei Jahren eine wachsende Gemeinschaft entstanden, die Woche für Woche ein Stück Wärme nach Wien bringt“, sagt Antonia. Und sie lädt ein: „Wer unverbindlich Teil dieser Initiative werden oder einmal bei einem Einsatz mitgehen möchte, kann sich in Stubentor melden. Jede neue Unterstützerin ist willkommen – und wird erfahren, wie schön es ist, Gutes zu tun und dabei selbst berührt zu werden.“

