„Er war ein Segen für uns alle!“ Ein Nachruf auf Luis Gorostiza (1935 – 2020)

Im Alter von 85 Jahren starb Luis Gorostiza am 21. April nach einer langen geduldig getragenen Krankheit in Wien.

Opus Dei in Österreich
Opus Dei - „Er war ein Segen für uns alle!“ Ein Nachruf auf Luis Gorostiza (1935 – 2020)

Luis Gorostizas Leben (26.3.1935 – 21.4.2020) ist untrennbar mit dem Beginn der seelsorglichen Arbeit des Opus Dei in Österreich verbunden. Seine wachen Augen und seine herzliche, geradlinige Art kennzeichneten ihn bis zuletzt, und sein unermüdlicher priesterlicher Einsatz bleibt allen in reger Erinnerung. Er zählte zu den ersten vier Priestern, die auf Wunsch des hl. Josefmaria Escrivá nach Österreich kamen. Er wirkte in diesem Land mehr als sechzig Jahre bis zu seinem Tod. Bis fast zuletzt konnte er noch die Heilige Messe feiern und Beichte hören.

Der junge Baske Luis hatte schon gegen Ende seiner Schulzeit durch das Studentenhaus Abando in seiner Heimatstadt Bilbao das Opus Dei kennengelernt. In einer christlichen Familie groß geworden, erkannte er bald, dass Gott ihn auf diesen Weg der Heiligung mitten in der Welt rief und schloss sich dem Opus Dei an.

Seine berufliche Laufbahn führte ihn ins Kirchenrecht. Es war der hl. Josefmaria, der ihn auf die Idee gebracht hatte und ihn einlud, für das Studium nach Rom zu kommen. Luis studierte am Römischen Kolleg des Opus Dei, das damals noch im Aufbau war, Theologie und vertiefte sich in der Spiritualität des Werkes. Zugleich studierte er am Pontificium Athenaeum Internationale Angelicum und erwarb 1956 am damaligen Athenaeum Lateranense seinen Doktortitel in Kirchenrecht. Parallel dazu studierte er Allgemeines Zivilrecht, das er 1957/58 bei seiner Rückkunft in Madrid an der Universidad Complutense nostrifizieren ließ.

Der fünfjährige Aufenthalt in Rom war für ihn eine besondere Zeit, an die er sich immer wieder dankbar zurückerinnerte. Besonders prägten ihn seine persönlichen Begegnungen mit dem hl. Josefmaria. Der Gründer traf sich in seiner väterlichen Sorge gerne und oft mit den Studenten des Römischen Kollegs. Aus diesen Jahrgängen gingen Priester hervor, die später in verschiedenen Ländern und innerhalb der Prälatur zu großen Stützen für die apostolische Ausbreitung des Opus Dei wurden. Als der hl. Josefmaria den jungen Luis fragte, ob auch er bereit wäre, als Priester zu dienen, zögerte dieser keinen Augenblick.

Am 10. August 1958 empfing er gemeinsam mit siebzehn anderen Numerariern (zölibatär lebende Mitglieder des Opus Dei) vom Madrider Weihbischof Juan Ricote die Priesterweihe. Drei Jahre zuvor hatte der Madrider Weihbischof unter anderen Javier Echevarría zum Priester geweiht, der von 1994 bis 2016 Prälat des Opus Dei war.

1958 übersiedelte der 23-jährige Priester Luis Gorostiza auf Bitte des Gründers gemeinsam mit German Rovira (der später nach Deutschland ging) und einer Handvoll Laien nach Wien, um beim Aufbau der apostolischen Arbeit des Opus Dei in Österreich mitzuwirken. Hier arbeiteten seit 1957 bereits zwei Priester. Einer davon war auch in der Hochschulseelsorge tätig.

Kaum angekommen, machte sich Dr. Gorostiza, wie er hier nun genannt wurde, auf den Weg in den Stephansdom, um sein Leben und Wirken unter den Schutz der Mutter Gottes von Maria Pötsch zu stellen. Voller Einsatz begann er mit dem Deutschlernen und der Seelsorge, zunächst im ersten Zentrum in der Favoritenstraße. Deutsch ist eine komplizierte Sprache, aber für einen Basken ist nichts unmöglich. Der Wiener Kardinal Erzbischof Franz König schätzte die priesterliche Arbeit des Opus Dei unter den Studenten sehr und ernannte Luis Gorostiza bald zum Studentenseelsorger der juridischen Fakultät. Später erinnerten sich Studentinnen und Studenten an die Betrachtungen und Predigten jenes jungen spanischen Priesters, die zwar noch in gebrochenem Deutsch vorgetragen wurden, zugleich aber von einer ungebrochen frischen und lebendigen Liebe zu Gott zeugten. „Mehr als seine Worte haben mich die Frömmigkeit und die Begeisterung, mit der Dr. Gorostiza damals sprach, wieder dem Glauben angenähert“, erinnerte sich später ein Zeitzeuge.

Sein Priestertum verstand Luis Gorostiza als besonderen Ruf zu dienen und den Seelen zur Verfügung zu stehen, wie und wann immer Gott wollte. Als der hl. Josefmaria ihn 1961 bat, das Amt des Konsiliarius – was heute dem Regionalvikar entspricht – in Österreich zu übernehmen, tat er dies trotz seines jungen Alters im Vertrauen auf Gott. Seit 1960 gab es bereits das Studentinnenheim Währing, 1964 eröffnete das Studentenheim Birkbrunn. Als im Jahr 1984 ein Priester aus Graz bei einem Autounfall ums Leben kam, bot sich Dr. Gorostiza spontan an, ihn für einige Tage zu ersetzen. Obwohl er in Wien alle Hände voll zu tun hatte, packte er in Windeseile seine Koffer und fuhr nach Graz. Aus wenigen Tagen wurden schlussendlich mehr als zehn Jahre...

Als er 1994 nach Wien zurückkam, ernannte der Wiener Erzbischof den Kirchenrechtler zum defensor vinculi (Ehebandverteidiger) am Erzbischöflichen Metropolitan- und Diözesangericht. Seine Klugheit, tiefe Menschenkenntnis und seine Ausgewogenheit im Urteil machten Dr. Gorostiza in seiner 25-jährigen Arbeit in dieser Funktion zu einem gefragten und geschätzten Kollegen. Gleichzeitig entfaltete er eine breite seelsorgliche Arbeit als Prediger und Beichtvater in der Wiener Peterskirche. Bereits 1970 hatte der damalige Erzbischof von Wien, Kardinal Franz König, den Priestern des Opus Dei die pastorale Betreuung der Wiener Peterskirche übertragen. Die Verkündigung der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit – eine der zentralen Botschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils – prägt die seelsorgliche Arbeit der Rektoratskirche.

Bis zuletzt bewahrte sich Don Luis seinen Sportsgeist – er war ein großer Fußballfan – und verband seinen energischen Charakter mit großer Liebenswürdigkeit. Bis wenige Wochen vor seinem Tod konnte er noch täglich die Hl. Messe feiern und Beichte hören.

Viele hätten ihn noch gerne im Krankenhaus besucht, was leider aufgrund der strengen Bestimmungen der Corona-Epidemie nicht möglich war. Er konnte noch die Sterbesakramente empfangen. Und Gott sieht auf seine Weise vor: „Zufällig“ arbeitete eine Krankenschwester, die auch Mitarbeiterin des Opus Dei ist, genau in diesen Tagen in jenem Wiener Spital. Sie konnte Dr. Gorostiza noch besuchen, in seinen letzten Stunden gemeinsam mit ihm beten und ihn des Beistands seiner Brüder und Schwestern im Opus Dei versichern. Vielleicht geben die Worte dieser Krankenschwester per WhatsApp, wenige Stunden vor seinem Tod, eine schöne Zusammenfassung für dieses bis zuletzt erfüllte Priesterleben:

„Ihr braucht euch nicht bedanken, es tut mir leid, dass ihr ihn nicht besuchen könnt, aber für mich ist es eine Gnade, so einen lieben Menschen am letzten Weg beizustehen und ihm wenigstens Danke zu sagen. Ich habe euch und euer Werk immer bewundert und geschätzt. Nun bin ich dem Herrn umso mehr dankbar, insbesondere für die Priester, die es in einer Zeit wie dieser nicht leicht haben! Es war eine gegenseitige Freude, dass wir bei ihm sein durften. Er ist mit einem Wort: ein Segen für alle!“

Die Beisetzung findet aufgrund der aktuellen Umstände im engsten Kreis am Ottakringer Friedhof statt. An einem noch festzulegenden Datum wird in der Wiener Peterskirche (Petersplatz, Wien 1), in der er seelsorglich viele Jahre tätig war, ein Requiem gefeiert werden.