Beim Besuch in Juvavum beantwortet das Oberhaupt der Erzdiözese Fragen von Eltern und Jugendlichen und ermutigt zu einem schlichten, konsequent gelebten Glauben.
Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre besuchte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner ein Haus des Opus Dei in seiner Diözese, diesmal Juvavum, das Bildungsangebote für Erwachsene, Wohnheimplätze für Studenten und einen Jugendclub für Schüler anbietet. Zu den rund 60 Teilnehmern des Gesprächsformats zählte der 97-jährige Opus Dei-Priester Antonio Jimenez, der seit mehr als 40 Jahren in Salzburg seelsorglich tätig ist.
Persönliches Zeugnis des Erzbischofs
Auf die Frage einer Mutter nach Ermutigung für Kinder aus gläubigen Familien in einer glaubensfernen Umwelt räumte Lackner zunächst ein, dass es ihm in seinem Alter nicht leichtfalle, sich in die Lage junger Menschen zu versetzen. Er gab den Jugendlichen dann aber mehrere praktische Anregungen mit:
- Bibellektüre: Man müsse nicht alles sofort verstehen; das Nichtverstehen gehöre gewissermaßen zum Verstehen dazu. Stellen, die zunächst unklar blieben, erwiesen sich später oft als besonders wichtig.
- Fragen stellen: Nach dem Lesen könne man Gott fragen: „Herr, was willst du, dass ich tue?“
- Schlichtes Glaubenszeugnis: Etwa ein Kreuzzeichen beim Vorbeigehen an einem Friedhof oder der Besuch der Sonntagsmesse.
- Schulung des Willens: In der heutigen Zeit brauche es einen starken Willen, um sich für das Gute zu entscheiden.
Aus seiner eigenen Biografie
Freimütig erzählte der Erzbischof, er habe als junger Mann eine Zeit gehabt, in der er seinen Glauben kaum praktizierte. Als Soldat einer Friedenstruppe auf den Golanhöhen habe er aus Langeweile in der Heiligen Schrift gelesen und sei dabei auf die Einladung aus dem Matthäusevangelium (Mt 11,28) gestoßen, zu Christus zu kommen, wenn man sich plage und schwere Lasten trage. Der zuständige Militärpriester habe ihm auf seine Frage, was er tun müsse, geraten, Gott eine Chance zu geben und sich von ihm überraschen zu lassen.

Verweis auf das 100-Jahr-Jubiläum des Opus Dei
Juan Rodriguez berichtete, der heilige Josefmaria Escrivá, Gründer des Opus Dei, sei in den 1950er- und 1960er-Jahren viermal in der Erzdiözese Salzburg gewesen. Das Werk bereite sich auf sein 100-Jahr-Jubiläum am 2. Oktober 2028 vor. Das Datum liegt nur gut eine Woche nach einem Jubiläum der Erzdiözese: Der Salzburger Dom feierte am 25. September 2026 seinen 400. Weihetag.
Zeitmangel im Familienalltag
Eine weitere Frage stellte Christoph Posselt, Krankenpfleger und Vater von drei Kindern. Er wollte wissen, was man einem Familienvater raten könne, der viel Gutes tun wolle, aber vieles zeitlich nicht schaffe. Lackner erwiderte, es gehe ihm selbst oft ähnlich: Der Herr habe eine große Sehnsucht nach Gebet in sein Herz gelegt, doch fehle ihm häufig die Zeit dafür. Er riet, nicht immer nur das zu tun, wonach einem gerade sei, sondern manchmal einfach das, was man tun solle. Darin liege die Bedeutung der menschlichen Tugenden.
