Betrachtungstext: 28. Woche im Jahreskreis – Montag

Christus ist das Zeichen – Er lebt – Seine Gegenwart erkennen

JESUS HATTE BEREITS viele Wunder gewirkt, und dennoch verlangten einige seiner Zuhörer ein weiteres Zeichen, das seine göttliche Sendung bestätigen sollte. Doch Jesus durchschaute ihre Haltung: Nicht an Zeichen fehlte es ihnen, sondern an der Bereitschaft, diese anzuerkennen. Deshalb antwortete er: Wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein (Lk 11,30).

Jona hatte den Bewohnern von Ninive das drohende Gericht Gottes angekündigt. Sie hörten auf seine Worte, kehrten um und fanden Erbarmen bei Gott (vgl. Jona 3,1-10). Jesus lädt seine Zuhörer zu einer ähnlichen Umkehr ein. Denn in ihm steht ein Größerer als Jona vor ihnen. Seine Worte und Taten bezeugen bereits, wer er ist. Und in seinem Tod und seiner Auferstehung wird sich Gottes Liebe endgültig offenbaren.

Auch wir können versucht sein, immer neue Zeichen von Gott zu erwarten, obwohl er uns in Christus bereits alles Wesentliche geschenkt hat. Der heilige Josefmaria erinnert daran, dass „alles bereits in Christus gegeben ist, der gestorben, auferstanden und für immer am Leben ist“. Unsere Aufgabe ist es, uns mit Hilfe der Gnade mit ihm zu vereinen und sein Leben in uns sichtbar werden zu lassen, sodass jeder Christ nicht nur ein alter Christus, ein anderer Christus, sondern ipse Christus, Christus selbst, sein kann.1 Christus ist das Zeichen, das Gott uns gegeben hat. Je mehr wir mit ihm verbunden leben, desto mehr kann auch unser Leben für andere zu einem Hinweis auf seine Gegenwart werden.


JESUS lebt. Das ist die Botschaft, die seit Ostern die Herzen der Gläubigen erfüllt. „Christus ist keine Gestalt“, schrieb der heilige Josefmaria, „die einmal lebte und dann verschwand und uns nur eine wunderbare Erinnerung und ein beeindruckendes Beispiel hinterlassen hat. Nein, Christus lebt.“2 Sein Dasein erfahren wir in der Kirche und auf einzigartige Weise in der Eucharistie. „Die Gegenwart des lebendigen Christus in der Hostie ist Unterpfand, Wurzel und Erfüllung seiner Gegenwart in der Welt.“3

Diese Gewissheit kann uns auch in schwierigen Augenblicken tragen. Denken wir an die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie waren traurig und enttäuscht, weil Jesus gestorben war. Doch der Auferstandene ging bereits an ihrer Seite, ohne dass sie ihn erkannten. Er hörte ihnen zu und erklärte ihnen die Schrift. Erst beim Brotbrechen gingen ihnen die Augen auf. Rückblickend sagten sie: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete? (Lk 24,32).

Auch uns begleitet Christus, selbst wenn wir seine Nähe nicht spüren. Papst Franziskus erinnert daran, dass Jesus unsere Ängste und Sorgen auf sich genommen und durch seine Auferstehung den Tod überwunden hat: „Mit dem auferstandenen Jesus ist keine Nacht endlos, und selbst in der tiefsten Dunkelheit leuchtet der Morgenstern.“4  Christus lebt und geht mit uns. In dieser Zeit des Gebets können wir ihm unsere Sorgen anvertrauen und ihn bitten, uns die Augen für seine Gegenwart zu öffnen. Wie bei den Emmaus-Jüngern kann die Begegnung mit ihm auch unser Herz neu entflammen.


DIE GEGENWART des auferstandenen Jesus zeigt sich nicht immer auf außergewöhnliche Weise. Oft können wir sie gerade in den unscheinbaren Ereignissen unseres Alltags entdecken. Dazu braucht es ein aufmerksames Herz, das lernt, Gottes Wirken wahrzunehmen. Ein Hinweis kann der innere Friede sein, der aus einer im Gebet gereiften Entscheidung erwächst. Papst Franziskus erklärt: „Wenn du in die Tiefe gehst, dann eine Entscheidung triffst und dir das anhaltenden Frieden schenkt, dann ist das ein gutes Zeichen, dass der Weg richtig war.“5 

Ein weiteres Zeichen ist die Liebe, die in uns wächst. Je mehr wir uns von Gott geliebt wissen, desto freier können wir handeln – nicht bloß aus Angst oder Pflichtgefühl, sondern aus Dankbarkeit und dem Wunsch, anderen Gutes zu tun. Wie der Prälat des Opus Dei schreibt, erfüllt uns das Bewusstsein mit Sicherheit, „dass die unendliche Liebe Gottes nicht nur am Anfang unseres Lebens stand, sondern in jedem Moment gegenwärtig ist.“6 Diese Gewissheit hilft uns, unsere Freiheit immer mehr in den Dienst der Liebe zu stellen.

Nicht immer erkennen wir klar, wohin Gott uns führen möchte. Dann können wir auf Maria und die Heiligen schauen, die ihm auch in der Ungewissheit vertrauten. Papst Franziskus ermutigt uns, unsere Entscheidungen im Gebet zu treffen, auf das zu hören, was in unserem Herzen geschieht, und behutsam voranzugehen.7 Wir müssen nicht den ganzen Weg überblicken. Es genügt, den nächsten Schritt im Vertrauen auf Christus zu tun.


1 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 104.

2 Hl. Josefmaria, ebd., Nr. 102.

3 Ebd.

4 Franziskus, Predigt, 16.4.2022.

5 Franziskus, Audienz, 7.12.2022.

6 Msgr. Fernando Ocáriz, Hirtenbrief, 9.1.2018.

7 Franziskus, Audienz, 7.12.2022.