Betrachtungstext: 12. Woche im Jahreskreis – Donnerstag

Werke sind Widerschein des Glaubens – Das Leben auf Idealen aufbauen – Wenn der Sturm droht

JESUS sprach zur Menge: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut (Mt 7,21). Jesus sagte dies wohl, weil er bei einigen seiner Zuhörer einen Wunsch nach Umkehr erkannte, der über ein Lippenbekenntnis nicht hinausging. Viele hatten gute Vorsätze, Gutes zu tun, es fehlte ihnen aber die Tiefe und Beständigkeit. Vielleicht waren es Menschen, die die Vollmacht des Meisters wohl anerkannten, aber zugleich zweifelten, ob seine Anweisungen zu einem erfüllten und glücklichen Leben führen würden.

Jesus wollte vermitteln, dass das christliche Leben nicht in Worten besteht, sondern eine Realität ist, die den Menschen verwandelt und außerdem eine Haltung verlangt, die sich in Werken niederschlägt. Wie Papst Franziskus in einer Tagesmeditation sagte: „Glauben haben bedeutet nicht, Wissen zu haben: Glauben haben bedeutet, die Botschaft Gottes, die Jesus Christus uns gebracht hat, anzunehmen, diesen Glauben zu leben und weiterzugeben.“1 Das Angebot des Herrn fordert den Menschen heraus, es ist ein Ruf, der in den Tiefen des Verstandes, des Willens und des Herzens Widerhall finden möchte.

So wie man für körperliche Fitness einen Trainings- und Diätplan aufstellt, bedeutet Nachfolge des Herrn, sich ein gewisses Programm aufzuerlegen: sich von all dem abzuwenden, was uns von ihm trennen könnte, und zu fördern, was unsere Beziehung zu ihm stärkt: das Gebet, die Sakramente, die christliche Bildung ... Ein solches Programm ist stimmig und macht unseren Glauben authentisch. Der heilige Josefmaria erklärte: „Wenn wir den göttlichen Willen lieben, werden wir auch begreifen, dass der Wert des Glaubens nicht nur in der Klarheit der Lehre besteht, sondern auch in der Entschiedenheit, mit der er durch Werke bezeugt wird (...), das nehmen wir uns vor.“2


WENN der Glaube konkrete Gestalt annimmt, erhält das christliche Leben Tiefe. Der Heilige Geist schafft in uns dann eine dauerhafte Identität auf einem soliden Fundament lebendiger Überzeugungen – wie ein Haus, das auf festem Grund steht. Im Evangelium vergleicht Jesus zwei Häuser miteinander: das eine ist auf Sand, das andere auf Felsen gebaut. Das eine wird von den Fluten zerstört, das andere hält stand.

In unserer Beziehung zu Gott erleben wir auch hin und wieder die Wucht von Rückschlägen und die Schwäche unserer Natur: Manchmal wollen wir etwas Bestimmtes tun – und tun am Ende das Gegenteil. Das kann zu Entmutigung und Ermüdung führen. Sich diese Schwierigkeiten einzugestehen, ist aber nicht Pessimismus, sondern gesunder Realismus. Der heilige Josefmaria erklärte: „Christlicher Optimismus ist weder der Blick durch die rosarote Brille noch die rein menschliche Zuversicht, dass schon alles gut werden wird. Es ist ein Optimismus, der im Bewusstsein unserer Freiheit und in der Gewissheit der Kraft der Gnade wurzelt; ein Optimismus, der uns dazu bringt, Forderungen an uns selbst zu stellen und uns zu bemühen, jederzeit auf Gottes Anrufe zu antworten.“3

Manchmal empfinden wir die Freude der Nähe des Herrn mit besonderer Intensität; andere Male haben wir das Gefühl, dass er weit entfernt ist, und was uns einst freudig erfüllte, ist uns gleichgültig oder erscheint uns mühsam. Vielleicht zeigt uns das Herz auch andere Wege, die uns das ersehnte Glück versprechen. In solchen Zeiten ist der Heilige Geist nicht abwesend in unserem Leben. Wenden wir uns an ihn, damit wir unser Haus auf den Felsen bauen, der seine Gegenwart in unserer Seele ist. Wenn das Leben auf festen Überzeugungen beruht, auf edlen Idealen, wird das Haus den Fluten trotzen; wir werden darin sogar eine Gelegenheit sehen, unsere Ideale zu stärken und in der frei gewählten Liebe zu reifen, denn der göttliche Beistand wohnt in uns. So werden wir, wenn die Stürme vorbei sind und die Sonne zurückkehrt, sehen, dass es sich gelohnt hat, das Haus auf festen Felsen zu bauen.


WENN ein Sturm wütet, suchen wir Schutz. Wenn uns unsere Hinfälligkeit bewusst wird und unsere Gefühle aufgewühlt sind, bietet das Gebet einen sicheren Hafen. Jesus riet den Aposteln, immer zu beten und nicht den Mut zu verlieren (vgl. Lk 18,1). Objektiv gesehen gibt es keine Momente, die mehr oder weniger Gebet verlangen, denn es ist für uns immer und zu jeder Zeit eine frohe Notwendigkeit. Durch das Gebet wird uns bewusst, wie verlässlich der Heilige Geist uns begleitet und sacht unser Leben führt.

Wir kennen das: Es gibt Situationen, die uns vom Gebet wegführen können, obwohl es paradoxerweise notwendiger ist denn je. So sagt Jesus zu den Aposteln in Getsemani: Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach (Mt 26,41). Wenn sich die Versuchung stärker zeigt, die Gefühle uns entgleiten und der Glaube schwächelt ... ist das Gebet mächtiger denn je, auch wenn es nicht so scheint. Gerade in diesen Situationen ist es nötig, zum Gebet Zuflucht zu nehmen, um von dort aus neu zu beginnen – und zu entdecken, wohin der Heilige Geist uns führt ... „Wenn dir einmal vorkommt, der Herr habe dich vergessen“, rät der heilige Josefmaria, „werde nicht traurig: Suche ihn mit mehr Nachdruck! Er ist die Liebe, er lässt dich nicht allein … Sei gewiss, dass dieses vermeintliche ,Alleinlassen‘ aus Liebe geschieht: damit du klar erkennst, was in deinem Leben von dir und was von ihm kommt.“4

Wenn der Sturm zulegt und die Fundamente des Hauses zu bröckeln scheinen, rufen wir mit dem Psalmisten: Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen! Denn wir sind sehr erniedrigt. Hilf uns, Gott unsres Heils, um der Herrlichkeit deines Namens willen! (Ps 79,8-9). Wir wenden uns an Maria. Sie wird ihrem Sohn unsere Bitten vortragen und uns helfen, die Stürme zu überstehen.


1 Franziskus, Predigt, 21.2.2014.

2 Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, Nr. 198.

3 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 659.

4 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 250.