Ein übernatürlicher Beweggrund

Die Botschaft, die Gott dem hl. Josefmaria am 2. Oktober 1928 zu erkennen gab, greift die herrliche, jahrhundertelang von vielen Christen vergessene Wirklichkeit auf, dass jede Arbeit, die im Menschlichen lauter und rechtschaffen ist, zu einem göttlichen Tun werden kann.

Opus Dei - Ein übernatürlicher Beweggrund

Die Botschaft, die Gott dem hl. Josefmaria am 2. Oktober 1928 zu erkennen gab, greift die herrliche, jahrhundertelang von vielen Christen vergessene Wirklichkeit auf, dass jede Arbeit, die im Menschlichen lauter und rechtschaffen ist, zu einem göttlichen Tun werden kann.1

Zahlreiche Menschen haben eine Kehrtwende in ihrem Leben gemacht, als sie diese Botschaft kennen lernten oder auch nur von der Heiligung der Arbeit sprechen hörten, Männer und Frauen, die bis dahin nur aus irdischen Beweggründen, sozusagen zweidimensional, arbeiteten. Sie begeistern sich, wenn sie erfahren, dass ihre berufliche Arbeit eine dritte, eine transzendente Dimension, eine Bedeutung für ihr ewiges Leben haben kann. Man muss spontan an die Freude jenes Menschen aus dem Evangelium denken, der einen verborgenen Schatz im Acker findet und seine ganze Habe verkauft, um jenen Acker zu kaufen!2

Der Heilige Geist ließ den heiligen Josefmaria diesen Schatz im Evangelium entdecken, besonders in den langen Jahren des Lebens Jesu in Nazareth, Jahre im Schatten, für uns aber klar wie Sonnenlicht3, denn diese verborgenen Jahre im Leben des Herrn sind weder bedeutungslos noch bloße Vorbereitung auf die Jahre danach, auf sein öffentliches Wirken. Seit 1928 sehe ich dies mit aller Klarheit: Gott will, dass wir Christen das ganze Leben des Herrn als Beispiel verstehen. Ich bin besonders seinem verborgenen Leben nachgegangen, seinem Leben der gewöhnlichen Arbeit unter den Menschen.4

Der Gründer des Opus Dei hat mit dem Licht, das Gott ihm schenkte, unermüdlich verkündet, dass die berufliche Arbeit eine Realität ist, die geheiligt werden kann und die heiligt. Eine einfache und großartige Wahrheit, die das Lehramt der Kirche vor allem seit dem II. Vatikanischen Konzil5 verkündet und dann in den Katechismus der katholischen Kirche aufgenommen hat: „Die Arbeit kann ein Mittel der Heiligung sein und die irdische Wirklichkeit mit dem Geiste Christi durchdringen.”6

„Mit übernatürlicher Intuition” – so bekräftigte Papst Johannes Paul II. – „hat der selige Josefmaria unermüdlich den allgemeinen Ruf zur Heiligkeit und zum Apostolat gepredigt. Christus lädt alle ein, sich im alltäglichen Leben zu heiligen; deshalb ist die Arbeit – wenn sie verbunden mit Christus gelebt wird – auch Mittel der persönlichen Heiligung und des Apostolates.7

Der heilige Josefmaria war das von Gott vorgesehene Werkzeug, um diese Botschaft zu verbreiten. Einer Menge von Christen hat er damit ungeahnte Perspektiven aufgetan für ihre persönliche Heiligkeit und die Heiligung der menschlichen Gesellschaft von innen heraus, das heißt, durch das Geflecht der beruflichen Beziehungen, durch das sie geformt wird.

Der Same dieser Botschaft wird die Frucht bringen, die der Herr erwartet, wenn sich Christen finden, die entschlossen sind und den nötigen Einsatz aufzubringen, um ihn zu erfassen und ihn mit Gottes Hilfe auch in die Tat umzusetzen. Die Heiligung der Arbeit ist nämlich nicht nur eine schöne Idee, die nur erklärt werden muss, um verstanden zu werden; sie ist ein Ideal, das man aus Liebe zu Gott anstreben und mit seiner Gnade erobern muss.

Der Sinn der Arbeit

Im Buch Genesis wird uns schon zu Beginn der Heiligen Schrift der Sinn der Arbeit offenbart. Gott, der alles gut gemacht hat, wollte „aus freiem Entschluss eine Welt erschaffen“, die „auf dem Weg zu ihrer letzten Vollkommenheit ist“8. Er erschuf den Menschen, ut operaretur9, damit er mit seiner Arbeit gewissermaßen das Schöpfungswerk fortsetzt und so seine eigene Vollkommenheit erreicht10. Die Arbeit ist Berufung des Menschen. „Seit unserer Erschaffung sind wir zur Arbeit berufen.“11

In der Welt der Antike war der große Wert der menschlichen Arbeit unbekannt. Benedikt XVI. hat darauf hingewiesen: „Die griechisch-römische Welt kannte keinen Schöpfergott; die höchste Gottheit konnte sich ihrer Vision nach nicht mit der Erschaffung der Materie gleichsam die Hände schmutzig machen. Das „Machen“ der Welt war dem Demiurgen, einer untergeordneten Gottheit vorbehalten. Anders der christliche Gott: Er, der eine, der wirkliche und einzige Gott, ist auch Schöpfer. Gott arbeitet; er arbeitet weiter in und an der Geschichte der Menschen. In Christus tritt er als Person in die mühselige Arbeit der Geschichte ein (…). So musste nun das Arbeiten der Menschen als besondere Weise der Gottebenbildlichkeit des Menschen erscheinen, der sich damit am weltschöpferischen Handeln Gottes beteiligen kann und darf.“12 Als Folge der Sünde wird die Arbeit von Mühsal und oft von Schmerzen begleitet13. Doch als unser Herr Jesus Christus unsere Natur annahm, um uns zu erlösen, hat er Mühsal und Schmerz in Mittel verwandelt, durch die wir Gott gegenüber unsere Liebe und unseren Gehorsam zeigen und den Ungehorsam der Sünde wiedergutmachen können. Dreißig Jahre lang lebte Jesus so: als fabri filius (Mt 13, 55), als der Sohn des Zimmermanns (...). Er war der faber, filius Mariae (Mk 6, 3), der Zimmermann, der Sohn Mariens. Und er war Gott, im Begriff, das Menschengeschlecht zu erlösen und alles an sich zu ziehen (Joh 12, 32).14

Jesus Christus hat uns durch sein Leben den vollen Sinn der Arbeit erschlossen, aber es gilt noch eine zweite Wirklichkeit zu bedenken: Die übernatürliche Gnade hat uns zu Kindern Gottes gemacht, so dass wir mit Christus einen einzigen Leib bilden, wie das Haupt und der Leib. Sein übernatürliches Leben ist unser Leben. Er lässt uns an seinem Priestertum teilhaben, damit wir mit ihm Miterlöser sind.

Diese tiefe Einheit des Christen mit Christus erhellt den Sinn all unserer Tätigkeiten und ganz besonders der Arbeit. In der Verkündigung des heiligen Josefmaria ist das Fundament der Heiligung der Arbeit das Bewusstsein der Gotteskindschaft, das Bewusstsein, dass Christus Fleisch werden will in unserem Tun15.

Das christliche Verständnis vom Sinn der Arbeit lässt sich mit folgenden Worten zusammenfassen: Die Arbeit begleitet notwendig das Leben des Menschen auf der Erde. Sie bringt Ermüdung, Mühsal, Erschöpfung mit sich: Äußerungen des Schmerzes und des Kampfes, die einen Teil unseres gegenwärtigen Lebens ausmachen und Zeichen der Wirklichkeit der Sünde und der Notwendigkeit der Erlösung sind. Aber die Arbeit an sich ist weder Leid noch Fluch, noch Strafe: wer das behauptet, hat die Heilige Schrift nicht gut gelesen. (...) Die Arbeit – jede Arbeit – zeugt von der Würde des Menschen und seiner Herrschaft über die Schöpfung. Sie ist ein Feld, auf dem wir unsere Persönlichkeit entwickeln. Sie verbindet uns mit den anderen Menschen, sie schafft die Mittel zum Unterhalt der eigenen Familie, sie lässt uns mithelfen an der Verbesserung der gesellschaftlichen Bedingungen und am Fortschritt der ganzen Menschheit. Diese Sicht der Arbeit wird für den Christen noch weiter und tiefer, da für ihn die Arbeit Teilnahme am Schöpfungswerk Gottes ist. (...) Und außerdem: da Christus die Arbeit auf sich genommen hat, erscheint sie uns als erlöste und erlösende Wirklichkeit, nicht nur als der Lebensbereich des Menschen, sondern auch als Mittel und Weg der Heiligkeit, als etwas, das geheiligt werden kann und selbst heiligt.16

Die Arbeit als Tätigkeit heiligen

Ein Ausdruck, den der hl. Josefmaria häufig gebrauchte, führt uns in das wunderbare Panorama der Heiligkeit und des Apostolates in der Ausübung eines Berufes ein: Heiligwerden bedeutet für die überwiegende Mehrzahl der Menschen, ihre eigene Arbeit zu heiligen, sich in der Arbeit zu heiligen und die anderen durch die Arbeit zu heiligen17.

Es sind drei Aspekte ein und derselben Wirklichkeit, untrennbar miteinander verbunden und aufeinander bezogen. Der erste, die Arbeit heiligen – heilig machen –, sie als eine bestimmte Tätigkeit heiligen, bedeutet, diese Tätigkeit heiligmäßig zu verrichten, den Akt der Person, die arbeitet, heiligen.

Davon hängen die anderen zwei Aspekte ab, denn die geheiligte Arbeit heiligt auch: sie heiligt uns selbst und ist Mittel zur Heiligung der Mitmenschen und sie dient auch dazu, die Gesellschaft mit christlichem Geist zu durchdringen. Deshalb sollten wir innehalten und den ersten Punkt betrachten, nämlich was es bedeutet, die Berufsarbeit zu heiligen.

Ein Tun ist heilig, wenn es ein Akt der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen aus Liebe zu Gott ist, ein Akt übernatürlicher Liebe – der caritas –, der hier auf Erden den Glauben und die Hoffnung voraussetzt. Ein so verrichteter Akt ist heilig, denn die caritas ist Teilnahme an der unendlichen Liebe, die der Heilige Geist ist18, die subsistierende Liebe zwischen Vater und Sohn. Daher ist ein Akt der caritas eine Teilnahme am übernatürlichen Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit, eine Teilnahme an der Heiligkeit Gottes.

Im Fall der beruflichen Arbeit muss man bedenken, dass die Arbeit die Wirklichkeiten dieser Welt zum Gegenstand hat – ein Feld bebauen, wissenschaftlich forschen, Dienst-leistungen anbieten usw. –, und dass dabei, damit sie menschlich gut ist und folglich auch geheiligt werden kann, Tugenden geübt werden sollen. Doch das allein genügt nicht, damit die Tätigkeit heilig ist.

Sie wird in der Tat geheiligt, wenn wir sie aus Liebe zu Gott und zu seiner Ehre verrichten – also gemäß dem Willen Gottes und in Ausübung der durch die caritas geprägten christlichen Tugenden –, um sie dann in Verbindung mit Christus Gott aufzuopfern, denn „durch Ihn und mit Ihm und in Ihm ist Dir Gott, allmächtiger Vater in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre”19.

Lege ein übernatürliches Motiv in deine alltägliche Berufsarbeit, und du hast deine Arbeit geheiligt.20 Mit diesen kurzen Worten zeigt der Gründer des Opus Dei den Schlüssel zur Heiligung der Arbeit auf. Die menschliche Tätigkeit wird geheiligt, wenn man sie aus einem übernatürlichen Beweggrund ausführt: aus Liebe zu Gott.

Das Entscheidende ist demnach nicht, dass sie am Ende erfolgreich ist, sondern dass wir aus Liebe zu Gott arbeiten, denn die Liebe ist es, die er in uns sucht: Der Herr aber sieht das Herz21. Entscheidend ist der übernatürliche Beweggrund, das letzte Ziel, die Lauterkeit unserer Willensabsicht, die Verrichtung der Arbeit aus Liebe zu Gott und zum Wohl unseres Nächsten aus Liebe zu Gott. So wird die Arbeit zur übernatürlichen Ebene der Gnade emporgehoben, wird geheiligt und verwandelt sich in Werk Gottes, in operatio Dei, in opus Dei.22

Eigenschaften des übernatürlichen Beweggrundes

Der übernatürliche Beweggrund ist echt, wenn er wirksam und radikal die Art und Weise unserer Arbeit beeinflusst und uns dazu führt, diese vollkommen zu verrichten, wie es dem göttlichen Willen entspricht, wenn auch gekennzeichnet von unseren persönlichen Unzulänglichkeiten, mit denen Gott rechnet.

Das übernatürliche Motiv, das die Arbeit heilig macht, ist nicht etwas, das man einfach neben die berufliche Tätigkeit stellt. Es ist Liebe zu Gott und um seinetwillen zu den Mitmenschen, was die Arbeit als solche radikal beeinflusst. Es spornt an, sie gut, kompetent und vollkommen zu verrichten, denn wir dürfen dem Herrn nichts anbieten, das nicht in dem Maße, wie unsere menschliche Unzulänglichkeit es erlaubt, vollkommen, fehlerlos und auch im Kleinen vollendet ist. Gott nimmt eine hingepfuschte Arbeit nicht an. In der Heiligen Schrift heißt es: Etwas Fehlerhaftes dürft ihr nicht darbringen, denn es wäre seiner nicht würdig (Lev 22, 20). Deshalb soll die Arbeit, die unseren ganzen Tag ausfüllt und unsere ganze Kraft in Anspruch nimmt, eine Opfergabe sein, die des Schöpfers würdig ist, ein vollendetes, tadelloses Werk23.

Eine „gute Meinung“, die uns nicht antreibt, gut zu arbeiten, wäre keine reine Absicht, keine Liebe zu Gott. Es wäre eine leere, unwirksame Absicht, ein schwacher Wunsch, der nicht ausreicht, unsere Trägheit oder Bequemlichkeit zu überwinden. Die echte Liebe formt die gut getane Arbeit.

Einen übernatürlichen Beweggrund in die Arbeit hineinzulegen bedeutet auch nicht, der Arbeit etwas Heiliges hinzuzufügen. Um die Arbeit zu heiligen, reicht es nicht zu beten, während man arbeitet, obwohl es ein Zeichen ist, dass man aus Liebe zu Gott arbeitet, und ein Mittel, um in der Liebe zu wachsen. Wenn es möglich ist, sollte man es daher tun. Die Arbeit durch ein übernatürliches Motiv zu heiligen, schließt in jedem Fall ein, sich auf die eine oder andere Weise um die Gegenwart Gottes zu bemühen, die sich häufig in Akten der Liebe und in Stoßgebeten konkretisiert, sei es in einer kurzen Pause oder bei anderen Gelegenheiten, die der Arbeitsrhythmus bietet. Dabei sind die menschlichen Einsatzmittel eine große Hilfe.

Doch es lohnt sich darauf zu bestehen, dass man dabei nicht stehen bleiben darf, denn die Arbeit zu heiligen besteht nicht wesentlich darin, etwas Heiliges zu tun, während man arbeitet, sondern die Arbeit auch als solche heiligmäßig zu verrichten. Das erreicht man, wenn man aus einem übernatürlichen Motiv handelt, das diese Tätigkeit umgestaltet und so tief durchdringt, dass sie in einen Akt des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe verwandelt wird, und auch die menschlichen Tugenden einsetzt, um die Arbeit moralisch vollkommen zu verrichten und sie Gott darzubringen. So wird die Arbeit zu Gebet: zu einem Gebet, das Beschaulichkeit erstrebt.

Die Würde der Arbeit hängt von dem ab, der sie verrichtet

Dass die Wurzel der Heiligung der Arbeit in einem übernatürlichen Motiv liegt, hat eine weitere wichtige Konsequenz: Jede berufliche Tätigkeit kann geheiligt werden, von einer in den Augen der Menschen glänzenden bis zu einer als niedrig und unbedeutend erachteten Arbeit, denn ihre Heiligung hängt nicht von der Art der Arbeit ab, sondern von der Liebe zu Gott, mit der sie verrichtet wird. Es reicht aus, an das zu denken, was Jesus, Maria und Josef in Nazareth taten. Sie verrichteten alltägliche, ganz gewöhnliche Arbeiten wie Millionen von Menschen, taten dies jedoch mit der größtmöglichen Liebe.

„Die Würde der Arbeit hängt nicht so sehr davon ab, was man tut, sondern wer sie tut, nämlich der Mensch, der ein geistiges, intelligentes und freies Wesen ist.”24 Die größere oder geringere Bedeutung der Arbeit hängt von ihrer Güte als geistiger und freier Handlung ab, das heißt davon, dass sie in Liebe das Ziel wählt, was ein der Freiheit eigener Akt ist.

Wir dürfen deshalb nicht vergessen, dass die Würde der Arbeit auf der Liebe gründet. Des Menschen Größe liegt in seiner Fähigkeit zu lieben; so schreitet er über das Kurzlebige und Anekdotische hinaus. Er kann andere Geschöpfe lieben, er kann Du und Ich in ihrer ganzen Tiefe aussprechen. Und er kann Gott lieben, der uns den Zugang zum Himmel öffnet, uns in seine Familie aufnimmt und damit fähig macht, mit ihm auf du und Du zu stehen. Darum soll sich der Mensch nicht darauf beschränken, nur zu schaffen, anzufertigen, herzustellen. Die Arbeit wächst aus der Liebe, ist Zeichen der Liebe und zielt hin auf die Liebe.25

Die Liebe zu Gott macht die kleinen Dinge groß. Ordnung und Pünktlichkeit, kleine Gesten der Dienstbereitschaft oder Liebenswürdigkeit tragen zur Vollkommenheit der Arbeit bei. Tut das alles aus Liebe. – Dann gibt es keine kleinen Dinge mehr: alles wird groß. – Die Beharrlichkeit in den kleinen Dingen, aus Liebe, ist Heroismus.26

Wer versteht, dass der heiligende Wert der Arbeit wesentlich von der Gottesliebe abhängt, mit der sie verrichtet wird, und nicht von ihrer gesellschaftlichen oder rein menschlichen Beurteilung, schätzt die kleinen Dinge sehr, besonders diejenigen, die in den Augen der anderen unbemerkt bleiben und die nur Gott sieht.

Daher ist es ein ernstliches Hindernis für die Heiligung der Arbeit, wenn man aus egoistischen Beweggründen arbeitet, z.B. um sich selbst zu bestätigen, die eigenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen oder in erster Linie die eigenen Pläne oder den eigenen Geschmack zu verwirklichen; aber auch, wenn man aus Eitelkeit nach Prestige, Macht oder Geld strebt, denn mit all dem als höchstem Ziel würden wir die Arbeit dem Götzen der Eigenliebe opfern.

Diese Beweggründe sind selten ganz rein vorhanden, sie können vielmehr mit edlen und sogar übernatürlichen Absichten gemeinsam auftreten, sie bleiben – vielleicht eine Zeitlang – latent, wie der Schlamm auf dem Grund eines sauberen Gewässers. Es wäre unklug, das zu verkennen, denn jederzeit – vielleicht in einer schwierigen Lage, bei einer Demütigung oder einem beruflichen Fehlschlag – kann der Schlamm aufgewühlt werden und das ganze Verhalten trüben. Es ist wichtig, dass wir diese egoistischen Motive aufdecken, sie ehrlich anerkennen und bekämpfen, indem wir unsere Absicht mit Gebet, Opfer, Demut, großzügigem Dienst am Nächsten usw. läutern.

Richten wir unseren Blick immer wieder auf die Arbeit Jesu in den Jahren seines verborgenen Lebens, um daraus zu lernen, unsere Aufgaben zu heiligen. Herr, gewähre uns Deine Gnade. Öffne uns die Tür zur Werkstatt von Nazareth, damit wir Dich dort zu betrachten lernen, und neben Dir Maria, deine heilige Mutter, und Josef, den heiligen Patriarchen – den ich so sehr liebe und verehre, – damit wir von euch Dreien das Leben einer heiligen Arbeit lernen. Bewege so unsere armen Herzen, damit wir in der Arbeit des Alltags Dich suchen und Dir begegnen, in dieser Arbeit, die wir nach Deinem Willen in Werk Gottes, in ein Werk der Liebe verwandeln.27

1 Gespräche, Nr. 55.

2 Vgl. Mt 13, 44.

3 Christus begegnen, Nr. 14.

4 Ebd., Nr. 20.

5 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 31-36; Pastoralkonstitution Gaudium et spes, Nr. 33-39; Dekret Apostolicam actuositatem, Nr. 1-3, 7.

6 Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 2427.

7 Hl. Johannes Paul II., Homilie, 17.5.1992. Vgl. auch, unter anderem: Ansprache, 19.3.1979; Ansprache, 12.1.2002, Nr. 2.

8 Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 310.

9 Gen 2, 15; vgl. Gen 1, 28.

10 Vgl. Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 2427. II. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, Nr. 34 u. 35.

11 Papst Franziskus, Enzyklika Laudato Si, 24.5.2015, Nr. 128.

12 Benedikt XVI., Ansprache im Collège des Bernardins (Paris), 12.9.2008.

13 Vgl. Gen 3, 18-19.

14 Christus begegnen, Nr. 14.

15 Ebd., Nr. 174.

16 Ebd., Nr. 47.

17 Gespräche, Nr. 55. Vgl. Christus begegnen, Nr. 45; Freunde Gottes, Nr. 120.

18 Hl. Thomas von Aquin, S. Th., II-II, q. 24, a. 7 c.

19 Römisches Messbuch, Kanon der hl. Messe.

20 Der Weg, Nr. 359.

21 Vgl. 1 Sam 16, 7.

22 Gespräche, Nr. 10.

23 Freunde Gottes, Nr. 55.

24 Hl. Johannes Paul II., Ansprache, 3.7.1986, Nr. 3. Vgl. Gespräche, Nr. 109.

25 Christus begegnen, Nr. 48.

26 Der Weg, Nr. 813.

27 Freunde Gottes, Nr. 72.