Demut

"Wir werden über die Demut sprechen, denn sie ist die Tugend, die uns gleichzeitig zur Erkenntnis der eigenen Armseligkeit wie der eigenen Größe verhilft" (Hl. Josefmaria, Freunde Gottes, 94)

Der Herr stellt uns oft in seiner Verkündigung das Beispiel der eigenen Demut vor Augen: Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen (Mt 11, 29). Dir und mir muß also aufgehen, daß das der einzige Weg ist, denn nur die aufrichtige Einsicht in die eigene Nichtigkeit vermag die göttliche Gnade auf uns herabzuziehen. Für uns kam Jesus, um Hunger zu leiden und um zu sättigen; Er kam, um Durst zu fühlen und um zu trinken zu geben; Er kam, um sich mit unserer Sterblichkeit zu bekleiden und um mit Unsterblichkeit zu kleiden; Er kam arm, um reich zu machen (Hl. Augustinus, Enarrationes in Psalmos, 49, 19).

Freunde Gottes, 97

„Das Gebet“: Demut des Menschen, der sein tiefes Elend und die Größe Gottes erkennt und sich anbetend an Ihn wendet, da er von Ihm alles und von sich selbst nichts erwartet.

„Der Glaube“: Demut des Verstandes, der auf seine eigenen Maßstäbe verzichtet und sich dem Urteil und der Autorität der Kirche beugt.

„Der Gehorsam“: Demut des Willens, der sich Gott zuliebe einem fremden Willen un-terwirft.

„Die Keuschheit“: Demut des Fleisches, das dem Geist untertan sein will.

„Die Abtötung“ in den äußeren Dingen: Demut der Sinne.

„Die Buße“: Demut aller Begierden, die Gott aufgeopfert werden.

Demut ist Wahrhaftigkeit auf dem Weg des aszetischen Kampfes.

Die Spur des Sämanns, 259 Den Hochmütigen widersteht Gott, aber den Demütigen gibt Er Gnade (1 Petr 5, 5), lehrt uns der heilige Petrus. In jeder Epoche der Geschichte, in jeder Situation eines Menschen ist der Weg der Demut der allein mögliche Weg, um ein Leben aus Gott zu leben. Etwa weil Gott Freude an unserer Erniedrigung fände? Nein, denn was gäbe sie Ihm, dem Schöpfer der Welten, der alles im Dasein erhält und alles lenkt? Gott wünscht unsere Demut als die Befreiung von den Fesseln des eigenen Ich einzig und allein deshalb, damit Er uns ganz erfüllen kann; Er will, daß wir keine Hindernisse aufrichten, sondern in unseren armen Herzen - sagen wir es mit einem Bild - seiner Gnade mehr Raum lassen. Denn der Gott, der uns demütig möchte, ist derselbe Gott, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der Er sich alles unterwerfen kann (Phil 3,21). Der Herr bemächtigt sich unser, Er vergöttlicht uns mit einer guten Vergöttlichung.

Freunde Gottes, 98 Je größer du bist, um so mehr demütige dich, und du wirst beim Herrn Gnade finden (Sir 3,20). Wenn wir demütig sind, wird Gott uns nie verlassen. Er wirft den Übermut der Stolzen nieder, den Demütigen aber schenkt Er das Heil. Er befreit den Unschuldigen und errettet ihn um der Reinheit seiner Hände willen . Die unendliche Barmherzigkeit des Herrn eilt dem zu Hilfe, der Ihn in der Haltung tiefer Demut anruft. Gott wirkt dann als der, der Er ist: der Allmächtige. Mag die Seele von Gefahren bedrängt und von den Feinden ihres Heils umzingelt sein, sie wird nicht zugrunde gehen. Dies ist nicht allein die überlieferte Erfahrung aus früheren Zeiten, auch heute geschieht es.

Freunde Gottes, 104

Dies möchte ich euch einschärfen: Wenn ihr aufrichtig seid, wenn ihr euch zeigt, wie ihr seid, wenn ihr euch vergöttlicht - aber in Demut, nicht in Hochmut -, dann werden wir alle, ihr und ich, in jeder Umwelt bestehen. Wir werden nur von Siegen sprechen und uns selbst siegreich nennen können - es sind die Siege der Liebe Gottes, die tief in die Seele Glück, Gelassenheit und Verständnis einsenken.

Freunde Gottes, 106

Willst du durch ein Leben voll heiliger Kühnheit dahin gelangen, daß Gott durch dich wirkt? - Rufe Maria an! Sie wird dich auf dem Weg der Demut begleiten, und so wirst du es fertigbringen, angesichts all dessen, was dem menschlichen Verstand unmöglich erscheint, mit einem „fiat!“ zu antworten - es geschehe! Mit diesem Wort, in dem Himmel und Erde sich verbinden.

Die Spur des Sämanns, 124