Betrachtungstext: 28. Woche im Jahreskreis – Sonntag (A)

Gott bereitet für uns ein Festmahl – Dazu will er durch uns alle Menschen einladen – Wir bereiten unser Herz darauf vor

KEIN AUGE hat gesehen und kein Ohr gehört, in keines Menschen Herz ist gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (1 Kor 2,9). Uns fehlen die Worte, um das Glück zu beschreiben, das Gott für uns bereithält. Schon der erste Punkt des Katechismus erinnert daran, dass Gott den Menschen aus reiner Güte erschaffen hat, „damit dieser an seinem glückseligen Leben teilhabe“1. Wir sind geschaffen, um für immer an Gottes Glück teilzuhaben.

Weil diese Verheißung unsere Vorstellungskraft übersteigt, spricht die Heilige Schrift in Bildern davon. Der Prophet Jesaja schildert ein festliches Gastmahl, das Gott für alle Völker bereitet, mit köstlichen Speisen und erlesenen Weinen. Und diese Freude ist nicht vorübergehend, denn Gott hat den Tod für immer verschlungen und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen (Jes 25,6-8). Ein Leben ohne Leid und Tod, in der unmittelbaren Gegenwart Gottes – das ist die Zukunft, auf die wir hoffen.

Der heilige Josefmaria ermutigt uns: „Hab‘ die Liebe vor Augen, die im Himmel auf dich wartet, pflege die Tugend der Hoffnung. Das bedeutet keinesfalls mangelnde Großzügigkeit.“2 Denn die Hoffnung auf den Himmel lässt uns das gegenwärtige Leben nicht gering schätzen. Im Gegenteil: Sie zeigt uns, worauf es letztlich hinausläuft. Papst Benedikt XVI. erinnert daran, dass das Christentum nicht ein unbestimmtes Jenseits verheißt, in dem alles Wertvolle dieser Welt ausgelöscht wird. Vielmehr gilt: „Nichts von dem, was uns kostbar und teuer ist, wird vergehen, sondern es wird Fülle in Gott finden.“3 Der Himmel ist nicht die Verneinung unseres irdischen Lebens, sondern seine Vollendung in Gott.



JESUS GREIFT DAS BILD des Festmahls auf, das Gott für alle Völker bereitet. Doch er fügt einen Gedanken hinzu: Er möchte, dass wir selbst zu Boten seiner Einladung werden. Wir sollen unsere Hoffnung auf den Himmel mit anderen teilen und möglichst viele Menschen auf dem Weg dorthin begleiten.

Im Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl erzählt Jesus von einem König, der seine Diener ausschickt, um die geladenen Gäste zur Hochzeit seines Sohnes zu rufen. Doch diese wollen nicht kommen (vgl. Mt 22,2-3). Auch eine erneute Einladung bleibt erfolglos: Die einen gehen ihren Geschäften nach, andere misshandeln sogar die Boten (vgl. Mt 22,4-6). Gleichgültigkeit und offene Ablehnung stehen der Großzügigkeit des Königs gegenüber. Doch das Fest soll trotzdem stattfinden. Der König schickt seine Diener erneut aus: Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein! (Mt 22,9). Die Einladung Gottes gilt allen Menschen. Denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen (1 Tim 2,4).

Papst Franziskus erinnert daran, dass auch wir als Kirche den Auftrag haben, „das Netz des Evangeliums auszuwerfen“, ohne andere anzuklagen oder mit dem Finger auf sie zu zeigen. Vielmehr sollen wir ihnen „die Offenheit des Evangeliums, die Einladung zum Fest“ nahebringen.4 Auch wenn unser Bemühen, andere für Christus zu gewinnen, nicht immer auf offene Herzen stößt, dürfen wir uns von seiner Geduld anstecken lassen. Gott wird nicht müde einzuladen. Und wir können dazu beitragen, dass seine Einladung möglichst viele Menschen erreicht.


NICHT ALLE Geladenen nehmen die Einladung zum Festmahl an. Manche sind so sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt, dass sie sich für die Freude, die der König ihnen bereitet hat, nicht interessieren. Ein anderer Gast erscheint zwar zur Hochzeit, trägt aber kein Hochzeitsgewand (vgl. Mt 22,11-13). Auch darin liegt eine Mahnung: Es genügt nicht, die Einladung Gottes äußerlich anzunehmen. Wir müssen uns auch innerlich auf die Begegnung mit ihm vorbereiten.

Der heilige Paulus zeigt uns, worauf es dabei ankommt: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. […] Alles vermag ich durch den, der mich stärkt (Phil 4,12-13). Er hat gelernt, in allen Lebenslagen auf Christus zu vertrauen. Seine Freude hängt nicht davon ab, ob er gerade im Überfluss lebt oder Mangel leidet. Er weiß, dass Gott ihm gibt, was er wirklich braucht.

Schon hier auf Erden können wir lernen, unsere tiefste Freude in Gott zu finden. Das bedeutet nicht, die guten Dinge dieser Welt gering zu schätzen, sondern sie so zu genießen, dass sie uns nicht von ihm abbringen. Der heilige Josefmaria erinnert uns an die Liebe, die im Himmel auf uns wartet: „Sie kennt weder Verrat noch Betrug: die Liebe selbst, alle Schönheit, die ganze Fülle, alles Wissen …! Und ohne Überdruss: Sie sättigt, ohne satt zu machen.“5

Bitten wir Maria, dass sie uns hilft, unser Herz für die Gaben Gottes offenzuhalten und uns nicht mit weniger zufriedenzugeben, als er für uns bereithält. Und dass wir auch andere einladen, mit uns an jenem Festmahl teilzunehmen, bei dem alle Sehnsucht ihre Erfüllung findet.


1 Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1.

2 Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 139

3 Benedikt XVI., Predigt, 15.8.2010.

4 Franziskus, Predigt, 2.8.2023.

5 Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, Nr. 995.