DIE ZWEIUNDSIEBZIG kehren voller Begeisterung von ihrer Mission zurück: Herr, sogar die Dämonen sind uns in deinem Namen untertan (Lk 10,17). Sie haben erlebt, wie das Reich Gottes durch ihr Wirken sichtbar wurde und das Leben von Menschen veränderte. Doch sie wissen auch, woher diese Kraft kommt: Sie konnten all das nur „im Namen“ Jesu tun.
Die Freude durchzieht das ganze Lukasevangelium. Sie begleitet die Ankündigung der Geburt des Täufers und Jesu (vgl. Lk 1,14; 2,10), erfüllt den Himmel über die Umkehr eines Sünders (vgl. Lk 15,7.10) und prägt die Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen (vgl. Lk 24,41.52). Wo Gott in das Leben eines Menschen eintritt, entsteht eine Freude, die tiefer reicht als das, was die äußeren Umstände geben können.
Das bedeutet nicht, dass Christen immer in gehobener Stimmung sein müssten. Auch Bedrängnis und Entmutigung gehören zu unserem Leben. Gerade dann können wir im Gebet zur Quelle unserer Freude zurückkehren. Denn christliche Freude hängt letztlich weder von Gesundheit noch von Erfolg oder materiellem Wohlergehen ab, sondern von der Gewissheit, von Gott geliebt und getragen zu sein. Der heilige Josefmaria unterscheidet deshalb die bloß „physiologische Freude“ von jener übernatürlichen Freude, die daraus wächst, dass wir uns ganz den liebenden Armen Gottes, unseres Vaters, überlassen.1 Diese Freude beseitigt die Schwierigkeiten nicht, aber sie kann mitten in ihnen bestehen bleiben.
DIE EVANGELIEN zeigen, wie wichtig Jesus die Freude seiner Jünger ist. Er möchte, dass seine Freude in ihnen ist und ihre Freude vollkommen wird (vgl. Joh 15,11). Umso überraschender reagiert er auf den begeisterten Bericht der Zweiundsiebzig: Siehe, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über die ganze Macht des Feindes. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind! (Lk 10,18-20).
Jesus nimmt den Jüngern ihre Freude nicht. Er zeigt ihnen vielmehr, worin ihr tiefster Grund liegt. Nicht das, was sie bewirken können, soll ihnen Sicherheit geben, sondern die Gewissheit, zu ihm zu gehören. Erfolge können kommen und gehen; auch unsere Möglichkeiten und Kräfte verändern sich. Dass aber unsere Namen „im Himmel verzeichnet sind“ – das bleibt. Deshalb liegt die Quelle christlicher Freude letztlich in der Vereinigung mit Christus. Papst Franziskus lädt dazu ein, sich diese Wirklichkeit immer wieder bewusst zu machen: „Jesus, du bist in mir: Ich will dir jeden Tag begegnen. Du bist ein Mensch, keine Idee; du bist ein Weggefährte, kein Plan. […] Du, Jesus, bist die Quelle der Freude.“2
Auch unser Apostolat lebt aus eben dieser Freude. Wir verkünden Christus nicht zuerst deshalb, weil wir Erfolge vorweisen können, sondern weil wir selbst erfahren haben, was es bedeutet, seine Freunde zu sein.
NUN IST ES Jesus selbst, der sich freut. Denn er preist, vom Heiligen Geist erfüllt, den Vater für das, was dieser durch seine Jünger gewirkt hat (vgl. Lk 10,21). Damit führt uns das Evangelium noch tiefer zur Quelle der christlichen Freude: Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes (vgl. Gal 5,22), der uns erkennen lässt, dass wir Kinder eines gütigen Vaters sind.
Diese Freude steht nicht im Gegensatz zu den vielen menschlichen Freuden, die Gott uns schenkt. Wir dürfen uns an Freundschaft und Familie, an unserer Arbeit, an Schönheit und Erholung freuen – Gott hat eine gute Welt geschaffen. Wenn wir all das als Kinder Gottes genießen, können gerade diese Freuden zu Wegen der Dankbarkeit werden und uns zu ihm führen.
Der heilige Josefmaria schrieb: „Die Freude ist ein christliches Gut.“3 Gefährdet wird sie vor allem dort, wo wir uns von Gott abwenden und um uns selbst zu kreisen beginnen. Der heilige Thomas bringt eine solche Traurigkeit mit „ungeordneter Eigenliebe“ in Verbindung, die er als gemeinsame Wurzel der Laster bezeichnet.4 Traurigkeit ist also nicht einfach dasselbe wie Leid. Der Prälat des Werkes weist darauf hin, „dass nicht jedes Leid und jeder Verzicht Traurigkeit hervorrufen, besonders wenn sie mit Liebe und aus Liebe angenommen werden.“ So können etwa die Opfer einer Mutter für ihre Kinder „zwar Leid, aber keine Traurigkeit“ verursachen.5
Maria, die wir als Ursache unserer Freude anrufen, möge uns helfen, jene Freude immer tiefer zu entdecken, die in der Gewissheit gründet, dass Gott uns liebt und nicht verlässt – auch dann nicht, wenn wir selbst versagen oder durch schwierige Zeiten gehen. Christliche Freude bedeutet deshalb nicht, immer fröhlich zu sein, sondern sich auch mitten in wechselnden Gefühlen und Umständen von Gott getragen zu wissen.
1 Vgl. hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 659.
2 Franziskus, Audienz, 15.11.2023.
3 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 178.
4 Hl. Thomas, Summa Theologiae, II-II, q.28, a.4 ad 1. „Traurigkeit, das ist die Schlacke des Egoismus“ (Freunde Gottes, Nr. 92).
5 Fernando Ocáriz, Brief von 10.3.2025, 1.

