Betrachtungstext: 7. Oktober – Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz

Der Rosenkranz führt uns zu Jesus – Ein Weg zum beschaulichen Leben – Für den Frieden und die Familie

DAS ROSENKRANZGEBET hat eine lange Geschichte. Einen besonderen Aufschwung erhielt es am 7. Oktober 1571 durch die Seeschlacht von Lepanto, deren Ausgang mit dem Gebet zur Gottesmutter in Verbindung gebracht wurde. Das daraus hervorgegangene liturgische Fest feiern wir heute als Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz. Die Päpste haben dieses Gebet immer wieder für die Anliegen der Kirche und der ganzen Welt empfohlen.1

Wie ein Hilfe suchendes Kind zu seiner Mutter eilt, so eilen wir zur Gottesmutter mit dem Wunsch, ihrem Sohn treu zu sein. Dem heiligen Josefmaria gestand einmal ein guter Christ, dass er sich gerne mit folgenden Worten an Maria wandte: „Unbefleckte Jungfrau, ich weiß, dass ich ein armer gebrechlicher Mensch bin und nichts anderes tue, als täglich meine Sünden zu mehren …“ Daraufhin legte er diesem dringend ans Herz, den Rosenkranz zu beten und fügte hinzu: „Gesegnet sei die Eintönigkeit des fortwährend wiederholten ,Gegrüßet seist du, Maria‘, die die Eintönigkeit deiner Sünden fortwäscht!“2

Papst Benedikt sagte, dass man „beim Rosenkranzbeten erneut die bedeutenden Momente der Heilsgeschichte durchlebt; man durchläuft die verschiedenen Etappen der Sendung Christi.“3 Wir betrachten das Leben Jesu gewissermaßen mit den Augen seiner Mutter: seine Menschwerdung und sein verborgenes Leben, seine Verkündigung, sein Leiden und Sterben und schließlich seine Auferstehung und Herrlichkeit.

Der Rosenkranz hilft uns, Hand in Hand mit Maria in die Geheimnisse Jesu einzutreten und sie mitzuerleben. Niemand war Jesus so nahe wie Maria. Der heilige Johannes Paul II. erinnert daran, dass Christus „in ihrem Schoß Gestalt annahm und von ihr ein dem ihren ähnliches menschliches Antlitz empfing.“4. Maria näherzukommen, bedeutet, ihrem Sohn Jesus näherzukommen.


DER HEILIGE JOSEFMARIA riet, den Rosenkranz nicht nur mit den Lippen zu beten, sondern mit dem Wunsch, Jesus und Maria in den einzelnen Szenen zu begleiten: „Hast du diese Geheimnisse jemals wirklich betrachtet? Werde klein! Komm mit mir, und wir werden […] das Leben von Jesus, Maria und Josef leben. […] Mit einem Wort: Verrückt vor Liebe […] werden wir jeden Augenblick des Lebens Jesu Christi betrachten.“5

Der Rosenkranz ist damit eine Schule der Kontemplation. Wir bleiben nicht an der Oberfläche, sondern verweilen bei den Geheimnissen des Lebens Jesu und versuchen, sie mit den Augen Marias zu betrachten. Nach und nach kann dieser Blick auch unseren Alltag verändern: Wir lernen, aufmerksamer wahrzunehmen, tiefer zu verstehen und in den Menschen und Ereignissen unseres Lebens die Gegenwart Gottes zu entdecken.

Papst Franziskus beschreibt Kontemplation weniger als ein Tun denn als eine Haltung des Herzens: Das Gebet sei der „Atem“ unserer Beziehung zu Gott. Es „läutert das Herz und erhellt damit auch den Blick“, sodass wir die Wirklichkeit aus einer neuen Perspektive sehen können.“6  So lehrt uns der Rosenkranz nicht nur, auf Christus zu schauen. Er hilft uns, mit Christus auf unser eigenes Leben zu schauen.



OFT GELINGT ES uns nicht, den Rosenkranz so aufmerksam zu beten, wie wir es gerne möchten. Unsere Gedanken schweifen ab zu dem, was uns beschäftigt. Der heilige Josefmaria riet deshalb: „Versuche, Zerstreuungen zu vermeiden, aber mach dir keine Sorgen, wenn du immer wieder abgelenkt bist.“7Wie ein Kind in der Gegenwart seines Vaters bleiben wir bei Gott, auch wenn unsere Aufmerksamkeit nicht vollkommen ist.

Vielleicht müssen wir manche Gedanken auch gar nicht gewaltsam verdrängen. Wir können das, was uns beschäftigt, in unser Gebet hineinnehmen und Maria anvertrauen. Der heilige Johannes Paul II. schrieb: „Das Rosenkranzgebet hat mich in Zeiten der Freude und der Not begleitet. Viele meiner Sorgen habe ich in dieses Gebet gelegt und darin stets Kraft und Trost gefunden.“8

Unter den Anliegen des Rosenkranzes haben die Päpste immer wieder besonders den Frieden und die Familie hervorgehoben. Johannes Paul II. erinnerte daran, dass der Rosenkranz den Frieden zunächst im Herzen des Betenden wachsen lässt,9 und dass das gemeinsame Gebet eine Familie verbinden kann: „Eine Familie, die gemeinsam betet, bleibt vereint. Seit jeher wird der Rosenkranz als Gebet gepflegt, bei dem sich die Familie versammelt. Wenn die einzelnen Familienmitglieder ihren Blick auf Jesus richten, werden sie fähig, einander wieder in die Augen zu sehen, miteinander zu sprechen, füreinander einzustehen, einander zu vergeben und in einem durch den Heiligen Geist belebten Liebesbündnis neu zu beginnen.“10 An diesem Festtag wollen auch wir Maria diese Anliegen anvertrauen – zusammen mit allem, was uns persönlich am Herzen liegt.


1 Hl. Johannes XXIII., Il religioso convegno, 29.9.1961.

2 Hl. Josefmaria, Die Spur des Sämanns, Nr. 475.

3 Benedikt XVI., Ansprache, 3.5.2008.

4 Hl. Johannes Paul II., Rosarium Virginis Mariae, Nr. 10.

5 Hl. Josefmaria, Der Rosenkranz, Prolog.

6 Franziskus, Audienz, 5.5.2021.

7 Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 890.

8 Hl. Johannes Paul II., Rosarium Virginis Mariae, Nr. 2.

9 Ebd., Nr. 40.

10 Ebd., Nr. 41.