DER HEILIGE JOSEFMARIA betonte oft, dass Josef stets nach den besten Lösungen suchte, um Gottes Pläne zu erfüllen – Pläne, die er sich ganz zu eigen machte. Josef „stellte seine ganze menschliche Erfahrung in den Dienst des Glaubens“1. Zugleich stellte er niemals Bedingungen und blieb dadurch innerlich beweglich. So zögerte er nicht, den Kurs zu ändern und sich in Galiläa niederzulassen, als er auf der Rückreise aus Ägypten erfuhr, dass in Judäa, seinem ursprünglichen Ziel, Gefahr drohte.
In Ägypten hatte Josef „zuversichtlich und geduldig“2 auf die Heimkehr gewartet, bis die verheißene Botschaft des Engels kam. Wahrscheinlich wollte er mit Maria und dem Kind nach Bethlehem zurückkehren. Die Stadt in Judäa, nahe Jerusalem, war nicht nur der Geburtsort König Davids, sondern auch der Ort, an dem Jesus gemäß der Verheißung geboren worden war (Mt 2,1). Nach der Geburt dürfte sich die Heilige Familie dort niedergelassen haben – denn die Weisen fanden das Kind bereits in einem Haus (vgl. Mt 2,11), nicht mehr in der Krippe.
Doch Josef blieb wachsam. Als er hörte, dass in Judäa Archelaos anstelle seines Vaters Herodes herrschte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen; und auf eine Weisung im Traum hin zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder (Mt 2,22–23) – seinem Heimatort, wo Haus, Werkstatt und vertraute Bindungen waren. So wurde nicht das königliche Bethlehem, sondern das unscheinbare Nazaret zum Lebensmittelpunkt des Messias: Ort der Verborgenheit, Schule des Gehorsams (vgl. Lk 2,51), Raum des alltäglichen Lebens Gottes unter den Menschen. Und so erfüllte sich das Wort, dass Jesus – wie sein Vater und zur Freude seines Vaters – Nazoräer genannt werden würde (vgl. Mt 2,23).
JESUS ABER wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen (Lk 2,52), fasst Lukas Jesu Jugendjahre zusammen. Der heilige Josefmaria erkannte eine tiefe Botschaft darin, dass Jesus dreißig Jahre lang still und unerkannt als fabri filius, als Sohn des Zimmermanns, lebte. Als er später öffentlich auftrat, fragten sich „die Leute verwundert: Wer ist dieser, woher weiß er das alles? Denn er war ja einer von ihnen und führte ein Leben wie seine Landsleute,“3 wie der heilige Josef.
Dieses Leben war wesentlich von der Arbeit geprägt – jener menschlichen Wirklichkeit, durch die der Mensch nicht nur seinen Lebensunterhalt sichert, sondern die Welt gestaltet und Lebensraum schafft und ein Leben in Würde ermöglicht. Ja, die Arbeit selbst verleiht Würde – eine Tatsache, die wir neu verstehen lernen sollten, so sagte Papst Franziskus.4 Sie habe einen solchen Adel, dass sie den Menschen mit Würde „salbt“ „und ihn Gott ähnlich macht, der gewirkt hat und wirkt, der immer am Werk ist“5.
Auf Ähnliches hatte der heilige Josefmaria verwiesen, wenn er von der Heiligung der Arbeit sprach. Das bedeutet zunächst sie gut zu verrichten – mit Liebe, Sorgfalt und Sinn für das Detail. Es bedeutet aber ebenso, im Bewusstsein zu arbeiten, dass wir durch sie an Gottes Liebe zur Schöpfung teilhaben – an seiner Liebe zu den Menschen und zur konkreten Wirklichkeit.6 Dafür ist Josef Vorbild und Schutzpatron.
IN NAZARET zeigt sich: Die Arbeit ist kein Nebenschauplatz des Heils. Gott rettet die Welt nicht nur durch Predigt und Wunder, sondern auch durch die Treue im Alltag. Diese 30 Jahre des Lebens und Arbeitens Jesu sind für Christen eine Schule – und im Mittelpunkt dieser Schule steht Josef.
Natürlich trägt auch die Arbeit die Spuren der Sünde. Sie kann zum Götzen werden, zur bloßen Jagd nach Anerkennung oder Gewinn. Benedikt XVI. warnte davor, in ihr den letzten Sinn des Lebens zu suchen. 7 Johannes Paul II. kritisierte ein rein utilitaristisches Verständnis von Arbeit als „als bloße Ware, in einer eiskalten Logik des Nutzens, um Wohlstand zu erwerben, zu konsumieren und so weiter zu produzieren“8. Gerade deshalb lohnt der Blick auf Josef. Er zeigt, wie man arbeitet, ohne sich versklaven zu lassen: ernsthaft und zugleich frei; engagiert und innerlich gelöst.
Wenn wir wie Josef mit christlichem Sinn arbeiten, können wir darin das quid divinum entdecken, das göttliche Etwas, das uns mit Gott verbindet und uns zu Werkzeugen seiner Fürsorge macht. Unsere Arbeit kann so zum Gebet werden, zu einem lebendigen Gespräch mit dem Vater.9 Das heißt nicht, ständig Worte zu sprechen, sondern im Wissen zu arbeiten, dass wir gewissermaßen die Ohren, der Mund und die Hände des Herrn sind. Durch unsere konkrete Tätigkeit dienen wir den Menschen und wirken an Gottes Sorge für seine Schöpfung mit.
Wenden wir uns an den heiligen Josef, dessen Fest nahe ist. Bitten wir ihn, dass wir durch unsere tägliche Arbeit mit dem Herrn zusammenwirken und so, wie Papst Franziskus sagte, ein wenig zu Mitgestaltern der Welt werden, die uns anvertraut ist.10
1 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, 42.
2 Franziskus, Patris corde,, 5.
3 Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 14.
4 Vgl. Franziskus, Patris corde, 6.
5 Vgl. Franziskus, Audienz, 1.5.2013.
6 Hl. Josefmaria, Gespräche, Nr. 55.
7 Vgl. Benedikt XVI., Homilie, 19.3.2006.
8 Vgl. hl. Johannes Paul II., Generalaudienz, 1.5.1984.
9 Vgl. hl. Josefmaria, Freunde Gottes, Nr. 64.
10 Vgl. Franziskus, Patris corde, 6.
