NACH IHRER Befreiung aus dem Gefängnis durch einen Engel kehren die Apostel frühmorgens in den Tempel zurück, um weiter zu predigen. Sie werden erneut festgenommen und danach dem Hohepriestern vorgeführt. Dieser verhörte sie und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg 5,27-29).
Mit ihrer Antwort zeigen Petrus und die Elf – darauf weist Papst Fransziskus hin –, „dass sie jenen ,Glaubensgehorsam‘ besitzen, den sie auch bei allen anderen Menschen erwecken wollen (vgl. Röm 1,5)“1. Für die Apostel ist das Wichtigste, den ihnen von Gott anvertrauten Auftrag auszuführen. Als Zeugen der Auferstehung Christi können sie nicht anders, als darüber zu sprechen, was sie gesehen und gehört haben. Was sie empfangen haben, erscheint ihnen so wertvoll und erfüllt ihr Herz so sehr, dass sie jede Gefahr auf sich nehmen, um es mit anderen zu teilen.
Der Heilige Geist verwandelt die ersten Jünger Jesu nach und nach: Sie werden immer weniger feige und immer mutiger, immer weniger ehrgeizig und weniger rein menschlich denkend und immer fähiger, sich den anderen zu schenken. Eingeführt in dieses Leben des Geistes, „sind sie“, so Papst Franziskus weiter, „keine Männer mehr, die ,allein‘ sind. Sie erfahren jenes besondere Zusammenwirken, das sie sich selbst aus dem Zentrum nehmen und sagen lässt: , Wir und der Heilige Geist‘ (Apg 5,32) oder , der Heilige Geist und wir‘ (Apg 15,28). Sie spüren, dass sie nicht nur ,ich‘ sagen können. Gestärkt durch dieses Bündnis lassen sich die Apostel von niemandem einschüchtern.“2
DIE APOSTEL wussten, dass sie Zeugen einer Wahrheit sind, die dem ganzen Menschengeschlecht das Heil bringt, und die Kirche, so hielt das II. Vatikanische Konzil fest, „setzt die Sendung Christi selbst fort und entfaltet sie die Geschichte hindurch“3. „Was erwartet der Herr von uns Christen heute, angesichts der ebenso komplexen wie faszinierenden Herausforderungen dieser unserer Welt? Er möchte, dass wir hinausgehen und den Ängsten und Nöten der Menschen begegnen, um allen das Evangelium zu bringen, in seiner ursprünglichen Reinheit und seiner strahlenden Aktualität“4, so schrieb der Prälat des Opus Dei, Fernando Ocáriz. An jeden von uns ergeht der Ruf, so fährt der Prälat fort, „mit seinen ihm zur Verfügung stehenden geistlichen und intellektuellen Möglichkeiten, mit seinen beruflichen Fähigkeiten und Lebenserfahrungen und auch mit seinen Grenzen und Mängeln erkennen zu wollen, wie er selbst mehr und besser an der gewaltigen Aufgabe mitarbeiten kann, Christus an die Spitze aller menschlichen Tätigkeiten zu stellen. Dazu benötigen wir eine tiefe Kenntnis der Zeit, in der wir leben, der Dynamiken, die sie prägen, und des Potenzials, das sie ausmacht, doch ebenso die Kenntnis ihrer Beschränkungen und der oftmals gravierenden Ungerechtigkeiten, die ihr zusetzen. Allem zuvor jedoch bedürfen wir der persönlichen Vereinigung mit Christus im Gebet und in den Sakramenten. So bleiben wir offen für das Wirken des Heiligen Geistes, um voll Liebe an die Herzen unserer Mitmenschen klopfen zu können.“5
DER MENSCH kann auf verschiedene Weise Zugang zu Gott finden: durch die Betrachtung der Ordnung und Schönheit der Schöpfung; durch die Betrachtung des Dursts nach Unendlichkeit und Fülle im eigenen Herzen; durch geistliche Erfahrungen, die oft Schätze der Weisheit sowie bedeutende Erfahrungen des Heiligen enthalten ... Alle diese Wege zeigen die Offenheit des Menschen für Gott und machen zugleich deutlich, wie begrenzt das menschliche Wissen gegenüber dem Göttlichen ist.
Durch den Glauben an Christus erhalten wir Kenntnis vom vollständigen und endgültigen Wort Gottes. Wie Thomas von Aquin schrieb, konnte „vor Christus kein Philosoph bei aller Anstrengung so viel über Gott und das zur Erlangung des ewigen Lebens Nötige wissen, wie nach Christus ein altes Weiblein durch den Glauben weiß“6. Die wunderbare Gabe des Glaubens, die jeder Christ erhält, ist – so Worte von Benedikt XVI. – „Begegnung mit Gott, der in der Geschichte spricht und wirkt, unser tägliches Leben bekehrt, indem er unser Denken, unsere Werturteile, unsere Entscheidungen und unser konkretes Handeln verwandelt. Der Glaube ist keine Illusion, Wirklichkeitsflucht, bequemer Rückzug, Sentimentalität, sondern er bezieht das ganze Leben ein und ist Verkündigung des Evangeliums, Frohbotschaft, die den ganzen Menschen befreien kann.“7
Bitten wir die heilige Maria, die Mutter der Gläubigen, um Weisheit, um unser Leben immer mehr auf Christus auszurichten, und um den heiligen Wunsch, die Menschen, denen wir auf unserem Weg begegnen, zu ihm zu führen.
1 Franziskus, Audienz, 18.9.2019.
2 Ebd.
3 II. Vatikanisches Konzil, Ad Gentes, Nr. 2.
4 Prälat Fernando Ocáriz, Im Licht des Evangeliums, Fe Medienverlag, Kißlegg 2021, S. 60.
5 Ebd., S. 61.
6 Hl. Thomas von Aquin, Expositio in Symbolum Apostolorum, Proemio.
7 Benedikt XVI., Audienz, 14.11.2012.
