Die Jugendlichen und die Unterhaltung - Muße und Freizeit (3)

Die erwachsen werdenden Kinder fordern sehr stark eine Menge Freiheiten, mit denen sie manchmal nicht richtig umgehen können. Das nächtliche Ausgehen, die Partys oder die Einkäufe können Anlass zu Auseinandersetzungen sein. In diesem Artikel wird dieses Thema aus einer christlichen Sicht besprochen.

Familienleben
Opus Dei - Die Jugendlichen und die Unterhaltung - Muße und Freizeit (3)

Ab und zu gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Eltern und erwachsen werdenden Kindern. Das ist ein uraltes Problem, auch wenn es vielleicht heute wegen der raschen gesellschaftlichen Entwicklung häufiger und in schärferer Form vorkommen kann. Gelegentlich taucht dieses Problem auf, wenn es darum geht, was sie in der Freizeit an den Wochenenden und in den Nachtstunden tun.

DIE HALTUNG DER ELTERN

Die Unterhaltungen in der Nacht bereiten vielen Eltern zunehmend Sorgen. Es ist die Zeit, in der sich die Jugendlichen am liebsten erholen und vergnügen, es ist ein Geschäftsfeld, das viele Möglichkeiten anbietet – in manchen Fällen nicht ohne gesundheitliches Risiko – und viel Geld bewegt. Nicht wenige Eltern sind sich darin einig, dass es schwer fällt den Frieden und die Beherrschung in der Familie zu bewahren, sobald dieses Thema zur Sprache kommt. Die Diskussionen über die Ausgehzeiten an den Wochenenden können leicht zum Streit führen, und es fällt nicht leicht überzeugende Begründungen zu finden, um auf das Heimkommen zu einer angemessenen Zeit zu bestehen. Eine Folge davon kann sein, dass die elterliche Autorität geringer wird. Unter diesem Blickwinkel versuchen manche Eltern ihre Kinder strenger zu überwachen. Aber es zeigt sich sehr rasch, dass das nicht der richtige Weg ist. Kontrollieren hat nichts mit Erziehen zu tun.

Wenn die Kinder in die Pubertät kommen fordern sie mit großem Nachdruck Freiheiten, mit denen sie manchmal nicht im richtigen Ausmaß umgehen können. Das heißt nicht, dass man ihnen die Selbstständigkeit nicht gewähren sollte, die ihnen zusteht. Es geht dabei um etwas viel Schwierigeres: man muss ihnen beibringen, ihre Freiheit verantwortungsvoll zu verwenden. Sie müssen lernen das zu begründen, was sie tun. Nur dann wird es ihnen gelingen ihren Blick so zu weiten, dass sie höhere Ziele anstreben als die bloße Unterhaltung um jeden Preis . Aus genau diesem Grund bedeutet das Erziehen der Kinder in Freiheit, dass die Eltern ihren Kindern manchmal Grenzen setzen müssen und sie standhaft davon abhalten sie zu überschreiten. Die Jugendlichen lernen zusammenzuleben und wirklich frei zu sein, wenn man ihnen den Sinn dieser Regeln erklärt und ihnen deutlich sagt, dass es “nicht verhandelbare” Punkte - Pflichten - gibt.

Es ist möglich und darf einen nicht überraschen, dass es in den Jahren, in denen sich der Charakter und der Wille ganz besonders entwickeln und sich die eigene Persönlichkeit festigt, zu Gehorsamsproblemen kommt. Einem portugiesischen Vater, der sich auf eine Schwierigkeit dieser Art mit einem seiner Söhne bezog, gab der heilige Josefmaria zur Antwort: « Seien wir ehrlich: wer seinen Eltern nie Ärger bereitet hat – ich wiederhole und sage es auch den Frauen –, der soll die Hand heben. Wer traut sich, es zu tun? Es ist verständlich, auch wenn deine Kinder dich gelegentlich ein wenig leiden lassen »i.

Auf jeden Fall ist es wichtig ihnen klar zu machen, dass die von ihnen so oft eingeforderten Rechte - die andererseits in vielen Fällen berechtigt sind - davor und gleichzeitig zusammenhängen mit der Erfüllung der Pflichten, die ihnen entsprechen.

MITEINANDER REDEN, VERSTEHEN UND ANLEITEN

Die Erziehung der Jugendlichen verlangt, und das gilt besonders für ihre Freizeitbeschäftigung, ihnen Zeit zu widmen, Aufmerksamkeit zu schenken und mit ihnen zu reden. Im offenen und aufrichtigen, herzlichen und einsichtigen Gespräch entdeckt die Seele die Wahrheit über sich selbst. Man könnte sagen, dass der Mensch durch das Gespräch “geformt” wird. Auch aus diesem Grund ist die Familie der beste Ort, an dem der Mensch lernt mit anderen Kontakte zu knüpfen und sich selbst zu begreifen. In ihr erfährt er, was es heißt zu lieben und geliebt zu werden, und in dieser Atmosphäre entsteht Vertrauen. Und das Vertrauen ist das Klima, in dem man lernt zu lieben, frei zu sein, die Freiheit anderer zu beachten und den positiven Charakter der Verpflichtungen zu erfassen, die anderen gegenüber bestehen. Ohne Vertrauen wächst die Freiheit nur sehr kümmerlich.

Diese gelassene Atmosphäre ermöglicht es, dass die Eltern mit ihren Kindern offen darüber reden können, wie sie ihre Freizeit gestalten sollen. Sie sollen dabei immer ein Klima des echten Interesses bewahren, Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen oder keine unangenehmen Situationen in Anwesenheit anderer Familienmitglieder aufkommen lassen. Sie werden daher vermeiden den Stil einer “Predigt” zu verwenden – der wenig wirksam ist – oder eine Art Verhör – was normalerweise unangenehm ist. Gleichzeitig werden sie «die Urteilskriterien, die bestimmenden Werte, die Interessenspunkte, die Denkgewohnheiten, die Quellen der Inspiration und die Lebensmodelle der Menschheit» ii säen, die ein erfülltes Leben möglich machen. Es wird genügend Gelegenheiten geben, um die guten Verhaltensweisen festigen zu können; und nach und nach werden sie wissen, in welchen Milieus sich ihre Kinder mit ihren Freunden herumtreiben und wie ihre Freunde sind.

Wenn man das Vertrauen zu den Kindern schon in der Kindheit aufgebaut hat, wird sich das Gespräch mit ihnen ganz natürlich ergeben. Die familiäre Stimmung lädt dazu ein es zu beginnen, selbst wenn man in einigen Fragen nicht übereinstimmt, und es ist ganz normal, dass sich der Vater oder die Mutter um die Dinge des Sohnes oder der Tochter Sorgen machen. Der heilige Josefmaria pflegte zu sagen: es ist das beste Geschäft , der Familie etwas Zeit zu widmen. Das gilt für die Stunden, die man tatsächlich anwesend ist, indem man zum Beispiel die Mahlzeiten nützt, und für die schöne, innige Zeit der Momente des intimen Beisammenseins, die helfen eine harmonische Atmosphäre unter den Familienmitgliedern zu schaffen. Wer den Kindern von klein auf Zeit widmet, für den ist es leichter in der Pubertät Gespräche mit einem gewissen Tiefgang zu führen.

Zweifellos ist es vorzuziehen, die Probleme schon zwei Jahre früher anzugehen, als sie einen Tag nach deren Auftreten lösen zu wollen. Wenn man den Kindern die Tugenden bereits von klein auf beigebracht hat, wenn sie die Nähe der Eltern gespürt haben, dann ist es viel einfacher ihnen zu helfen, wenn die Probleme der Pubertät auftreten. Dennoch gibt es nicht wenige Eltern, die denken, sie seien „zu spät daran”. Unabhängig von den Ursachen gelingt es ihnen nicht, ein konstruktives Gespräch zustande zu bringen oder zu erreichen, dass sich die Kinder an bestimmte Regeln halten. Was soll man tun, wenn das geschieht und man den Mut verliert? Dann ist der Augenblick gekommen, sich daran zu erinnern, dass die Aufgabe, Eltern zu sein, kein Ablaufdatum hat, und zu beherzigen, dass kein Wort, keine auf dieses Ziel – die Erziehung der Kinder – gerichtete liebevolle Geste oder Mühe vergeblich ist. Wir alle – Eltern und Kinder – hätten gerne und brauchen eine zweite, dritte Chance und noch weitere Chancen. Man könnte sagen, dass die Geduld ein Recht und eine Pflicht aller Familienmitglieder ist: die anderen müssen mit den Fehlern, die einer hat, Geduld haben; jeder muss Geduld mit denen der anderen haben.

Aber der Dialog allein genügt nicht, um in einer Familie eine vom Glauben getragene Kultur entstehen zu lassen. Es ist auch wichtig, der Familie Zeit zu widmen und Tätigkeiten zu planen, die man an den Wochenenden und in den Ferien gemeinsam durchführen könnte.

Manchmal geht es zum Beispiel darum, mit den Kindern irgendeinen Sport zu betreiben; andere Male Ausflüge oder Feste mit anderen Familien zu organisieren oder bei kulturellen, sportlichen, künstlerischen Veranstaltungen oder freiwilligen Sozialeinsätzen mitzumachen, die von Bildungszentren, wie Jugendklubs, veranstaltet werden. Es geht nicht darum, ihnen für alles fertige Lösungen anzubieten, sondern den Unternehmungsgeist der Kinder zu fördern, wobei deren Neigungen berücksichtigt werden sollen. Der heilige Josefmaria ermuntert uns dazu, mehr auf diesem Gebiet zu tun, das für unsere Gesellschaft so wichtig ist: Volksfeste und Volksbräuche müssen wieder verchristlicht werden. – Auf jeden Fall sollte bei öffentlichen Veranstaltungen die Alternative vermieden werden, sie kindisch oder heidnisch aufzuziehen iii.

KNAPP BEI KASSA HALTEN

Für die Jugendlichen ist es heute ganz üblich, durch ein Einkaufszentrum zu schlendern, irgendein modisches Kleidungsstück zu kaufen, etwas in einem Schnellimbissrestaurant zu essen und ins Kino zu gehen. Das Freizeitangebot richtet sich derzeit nach den Gesetzen der Konsumindustrie. Wenn man sich an diese Art der Unterhaltung gewöhnt, kommt es leicht dazu, dass man sich individualistische, passive, teilnahmslose und unsolidarische Haltungen angewöhnt. Die Unterhaltungs- und Freizeitindustrien laufen Gefahr, die persönliche Freiheit einzuschränken und die Personen zu entmenschlichen wegen «der degradierenden Manifestationen und der heute so weit verbreiteten rohen Manipulation der Sexualität» iv. Dieses Phänomen ist in Wirklichkeit das Gegenteil des Sinns der Erholung, die ja gerade eine befreiende und bereichernde Zeit für den Menschen ist.

Es ist sehr ratsam, den Kindern nicht viel Geld zu geben, ihnen den Wert des Geldes deutlich zu erklären und ihnen beizubringen, selbst etwas zu verdienen. Der heilige Josefmaria wurde von seinen Eltern auf eine tief christliche Weise erzogen, sie ließen ihm seine Freiheit und brachten ihm bei, sie richtig zu verwenden. Nie haben sie mir ihren Willen aufgezwungen , sagte er manchmal. Sie gaben mir wenig Geld, sehr wenig, aber Freiheit v. Heute ist es für Jugendliche ziemlich leicht zumindest während eines Teils der Ferien zu arbeiten. Man sollte sie dazu ermuntern, aber nicht nur um Geld für ihre Unterhaltungen zu verdienen, sondern auch um etwas für die Bedürfnisse der Familie beitragen oder den Nächsten unterstützen zu können.

Man darf nicht vergessen, dass viele Jugendliche von starken Idealen bewegt werden, für die sie sich begeistern können. Freunde zu haben bedeutet großzügig zu sein, zu teilen. Die Jugendlichen setzen sich für ihre Freunde ganz ein und oft haben sie keine Gelegenheit gehabt zu entdecken, dass Jesus der Große Freund ist. Am Ende des 15. Weltjugendtages hat der heilige Johannes Paul II. erklärt: «Er liebt jeden von uns auf persönliche und einzigartige Weise im konkreten Leben des Alltags: in der Familie, unter Freunden, im Studium und in der Arbeit, bei der Erholung und in der Freizeit». Und er fügte hinzu, wie dringend unsere hedonistische Konsumgesellschaft das Zeugnis der Verfügbarkeit und Opferbereitschaft für andere nötig hat: «Mehr denn je brauchen es die jungen Menschen, die oft versucht werden von Trugbildern eines leichten und bequemen Lebens, von der Droge und der Lust, um sich dann in der Spirale von Verzweiflung, Sinnlosigkeit und Gewalt wieder zu finden» vi.

Die Kinder zur Erholung und Freizeitgestaltung zu erziehen ist für die Eltern eine echte Herausforderung, eine anspruchsvolle Aufgabe, die wie alle Arbeiten, die aus Liebe getan werden, wunderschön ist. Manchen Eltern könnten vielleicht in bestimmten Momenten den Eindruck haben, die Situation würde sie überfordern. Dann ist es gut sich daran zu erinnern, dass alle Bemühungen, die in diese Richtung – die Bildung der Kinder – gehen, nicht nur den Kindern zugute kommen, sondern außerdem Gott sehr gefallen. Die Erziehung ist ein Teil der Aufgabe, die Gott den Eltern anvertraut hat, und niemand kann sie dabei ersetzen. Benedikt XVI. erklärte, dass die Eltern in ihrem häuslichen Bereich wegen des allgemeinen Priestertums aller Getauften «das priesterliche Amt als Hirten und Führer ausüben können, indem sie die Kinder christlich erziehen» vii. Es lohnt sich, diese Aufgabe immer mutig und mit einem hoffnungsvollen Optimismus anzugehen.

J. Nubiola

J.M. Martín

i Hl. Josefmaria, Zusammenkunft mit Gläubigen und Freunden des Opus Dei in Enxomil (Porto), 31.10.1972.

ii Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 8.12.1975, Nr. 19.

iii Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 975.

iv Benedikt XVI., Ansprache beim Treffen mit den Bischöfen aus den Vereinigten Staaten, 16.4.2008.

v Hl. Josefmaria, Aufzeichnungen von einer Betrachtung, 14.2.1964.

vi Hl. Johannes Paul II., Homilie bei der Hl. Messe zum Abschluss des Weltjugendtages, 20.8.2000.

vii Benedikt XVI., Generalaudienz, 18.2.2009.