Autismus: Mein Sohn und mein Blog

Viviana Miskulin hat vier Kinder, eins von ihnen ist Autist. Die Peruanerin startete vor 4 Jahren einen Blog „Educando a mi hijo“ – Wie ich meinen Sohn erziehe. Dieser Blog vernetzt viele vom Autismus betroffene Familien und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Persönliche Zeugnisse

Danko Miskulin ist 23 Jahre alt und leidet seit dem dritten Lebensjahr an Autismus. Das ist eine Störung, affektiven Kontakt mit anderen Personen aufzunehmen, und führt dadurch meist in die soziale Isolierung.

Die Erziehung eines autistischen Kindes ist eine schwierige, aber lohnende Aufgabe. Viviana Miskulin: „Ich bin davon überzeugt, dass man besondere Herausforderungen wie in unserem Fall Dankos Autismus als eine Art gottgewollter Sendung begreifen kann. Früher oder später verstehen das alle betroffenen Angehörigen.“ Viviana verdeutlicht das mit ihrer persönlichen Erfahrung: „Durch meine Zugehörigkeit zum Opus Dei habe ich gelernt zu begreifen, dass mein Sohn mit einem bestimmten Auftrag auf die Welt gekommen ist“

Auf die Idee, einen Blog über die Erfahrungen mit Danko zu führen, war Vivianas älteste Tochter Lenka gekommen. Mails beantworten und Texte schreiben sei zwar zeitraubend, sagt Viviana, aber spannend und anregend. Der Blog Educando a mi hijo ist mittlerweile recht bekannt geworden und hat mehrere Auszeichnungen bekommen.

Die ganze Familie Miskulin

Viviana hat viel Erfahrung im Umgang mit Autisten gesammelt, die sie über den Blog einfach weitergeben will – auch aus Dankbarkeit für die vielen Hilfen, die Gott ihr dabei geschenkt hat. An erster Stelle nennt Viviana die herzliche Zuwendung ihrer ganzen Familie gegenüber Danko. Die ganze Familie, das sind außer den Eltern, Lenka und ihr Mann Luis sowie die beiden jüngeren Schwestern Kathy und Ljuby.

Dankos Tagesablauf

Dankos Tag beginnt mit ruhiger Musik. Er steht spät auf und nimmt sich Zeit zum Frühstücken. „Manchmal bittet er mich, dass ich bei ihm bleibe. Aber nicht so sehr, weil er Hilfe braucht, sondern weil er sich dann beschützt fühlt.“ Für die Mutter ist es selbstverständlich, Danko an vielen Abenden Gesellschaft zu leisten: beim Fernsehen, Musik hören oder sogar mit Tanzen. „Er tanzt nämlich sehr gerne“, sagt Viviana.

Manchmal ist Danko ganz ruhig, kann aber an anderen Tagen sehr unausgeglichen sein. Dann ist sehr viel Geduld nötig. Zum Beispiel um die Mittagszeit: „Er kommt verspätet zum Mittagessen, bleibt erst lange stehen, setzt sich hin, steht wieder auf, geht zur Küche, sucht dort etwas anderes zu essen... Erst nach drei oder vier Stunden wird er ruhiger, denn da hat er Musikunterricht.

Danko treibt auch Sport, besonders Leichtathletik. Seit einem Jahr geht er in eine normale Schule, und die Lehrer sagen, dass er schnell lernt.“ Aber auch mit Mathe und Literatur kommt er gut klar. Er kann recht gut lesen und schreiben. Auch sein Gedächtnis ist in Ordnung. Deshalb kann er seit einiger Zeit als Hilfskraft in einem Supermarkt beschäftigt sein. Und es zeigt sich auch beim Tischgebet und beim gemeinsamen Rosenkranz in der Familie.

Wie so viele Autisten ist Danko ist recht genau. Bei ihm muss alles der Reihe nach gehen: Er kann nicht zu Mittag essen, wenn er nicht gefrühstückt hat, und nicht zum Abendessen kommen, wenn man mal das Mittagessen übersprungen hat. Viviana: „Am Tisch hat er einen bestimmten Platz und keinen anderen. Die jüngeren Schwestern kapieren das inzwischen immer besser und strengen sich überhaupt an, um gut miteinander auszukommen.“

Viviana Miskulin und Danko

Ein Blog für viele

Mittlerweile ist der Blog zu einer Sache der ganzen Familie geworden. Die meisten schreiben fast jeden Tag darin, und fast alles hat mit Danko zu tun. Zuerst waren alle erstaunt über das Echo: täglich mehr als 800 Besucher und dazu noch Briefe per Post. Für Danko ist es zwar nicht nachvollziehbar, aber in gewisser Weise ist er für viele Familien zum Bezugspunkt geworden. Es ist als würde er allen zurufen: „Zusammen kommt Ihr mit dem Autismus besser klar!“