Valerie: Wie ich zum Opus Dei kam

„Wir waren auf der Suche nach irgend etwas Spirituellem, etwas, das wirklich hilft!“

Sartrouville ist eine kleine Stadt im Département Yvelines, zwanzig Kilometer vor Paris. Der Vorgarten der Familie Durnerin bietet mehr Raum zum Spielen als für Blumenbeete. Valérie Durnerin und ihr Mann haben fünf Kinder. Beide sind Supernumerarier des Opus Dei. 

Valérie erzählt: Als Studentin war sie ab und an in einem Haus des Opus Dei. Sie hat dort an Arbeitsgemeinschaften über Glaubensfragen teilgenommen. Dennoch blieb sie distanziert: „Ich hatte ein wenig Angst“. Etwas Neugierde und ein wenig Bewunderung blieben aber.

Später heiratete sie Fabrice, der Unternehmensberater ist .

„Wir waren auf der Suche nach irgend etwas Spirituellem, etwas, das wirklich hilft, wir haben uns umgeschaut, Treffen und Begegnungen hier und dort gehabt. Wir fanden Paray le Monial und die Charismatische Erneuerung eindrucksvoll, aber ich habe das Empfinden gehabt, dass jene Art nicht für mich war.“ 

Hilfestellungen beim Beten 

Dem Journalisten erzählt Valerie, wie sie dann wieder an Vorträgen zur geistlichen Bildung in einem Zentrum des Opus Dei teilnahm. Diesmal habe sie „die Hilfestellungen beim Beten und die Ermutigung zu den Sakramenten zu gehen“ schätzen gelernt. Aber es verstrich noch eine längere Zeit bis sie sich zu einem konkreten Engagement entschied. „Eine Freundin hat es mir vorgeschlagen, aber mir schien zuerst, ich sollte nicht so weit gehen. Später, im Jahre 1996 – ich erinnere mich, es war während der Messe am Fest Maria Heimsuchung - wurde mir klar, dass der Augenblick gekommen war.“ 

Bevor sie den Schritt tat, bat Valerie um die Meinung und den Rat ihres Mannes. Dieser habe recht sachlich reagiert: „OK, aber ich behalte mir vor, einen Blick darauf zu werfen.“ So war es, und einige Zeit danach folgte er selbst dem Weg seiner Frau. Er bat um die Aufnahme ins Opus Dei. 

Der Journalist läßt sich berichten über die Art des spirituellen Engagements.  

Valerie: „Jedes Jahr einige Tage der Besinnung, jeden Monat einmal drei Stunden geistlicher Einkehr, alle vierzehn Tage eine Aussprache über Angelegenheiten des persönlichen spirituellen Lebens, jede Woche ein einstündiges Treffen zur geistlichen Bildung in einem Zentrum des Werkes. Und damit die Nähe des Herrn im Alltag bleibt, ein konsequenter „Lebensplan“: heilige Messe, Rosenkranz, zwei halbe Stunden Gebet, etwas geistliche Lektüre und etliche kleine Überwindungen.“ 

Die berüchtigten Abtötungen 

„Also die berüchtigten „Abtötungen“, die die Medien so genüßlich kommentieren?“ 

„Das mit den Abtötungen sieht ganz anders aus. Für mich zum Beispiel: In der Nacht klaglos aufstehen wenn das Kind schreit, selbst nicht schreien wenn einer von meinen Jungen mich nervt. Überall gibt es Mini-Entbehrungen,  ärgerliche oder unbequeme Kleinigkeiten. Es geht darum, diese Dinge, die zum normalen Alltag einer Mutter mit Kindern gehören, als einen Ort der Begegnung mit Gott zu erfahren.“ 

„Ist es nicht zuviel, mit fünf Kindern und noch dazu berufstätig?“ - Valerie hat eine halbe Stelle als Geschichtslehrerin in der Schule Herblay an der Val-d’Oise. 

„Nun, um aufrichtig zu sein: Ich kriege es nicht hin! Oder besser gesagt: Ich habe es nicht auf Anhieb hingekriegt. Nehmen Sie die halbe Stunde Gebet am Morgen zum Beispiel: am Anfang war es sehr schwer, rechtzeitig aufzustehen. Ich habe oft eine Morgenübelkeit. Jetzt ist es immer noch nicht leicht, aber jetzt könnte ich es nicht sein lassen.“ 

Marie, die älteste Tochter, steckt ab und zu die Nase herein. Jetzt fügt sie ihre Beobachtung hinzu: „Oh ja, wenn ich um 7 Uhr runter komme zum Frühstück, da sehe ich Papa und Mama knien, sie sehen echt lieb aus!“ 

„Im Grunde geht´s im Opus Dei darum:“ 

Valerie ist in Fahrt, sie bringt noch ein Beispiel: „Die tägliche Messe.

Meistens schaffe ich sie morgens, bevor ich zur Schule abdampfe. Aber donnerstags ist die Messe abends, da habe ich Geigenstunde, ich muss mich sputen. Oft schaffe ich es noch. Wenn es nicht klappt, eben nicht, da mache ich mir keine Kopfzerbrechen.“ 

Zwischendurch kann der Interviewer manches vom Mutterdasein erleben. Von weither eine Stimme: „Maman, darf ich jetzt an den PC?“ – „Nein, zuerst deine Hausaufgaben für morgen und übermorgen!“ 

Es gibt noch Zeit für eine letzte Frage: Woher kommt das schlechte Bild des Opus Dei in den Medien? 

„Tja, in der Tat hat unser Engagement etwas Eigenartiges, Herausforderndes. Wahrscheinlich trägt auch zur Verunsicherung bei, dass wir uns nicht als Gruppe verstehen, die geschlossen auftritt. Als der Papst nach Paris kam, sahen sie keine Fahne und kein Transparent  mit dem Namen Opus Dei. Aber wir waren alle da!“ 

Valerie resumiert: „Im Grunde geht´s im Opus Dei darum: Du hast einen Mann, und Kinder, und einen Haufen Arbeit, und Du kannst doch dieses Dieu premier servi (Gott zuerst bedient) ernst nehmen!“

  • von Jean-Claude Bésida // Famille Chrétiènne