Der Zölibat als Antwort, nicht als Problem

"Wenn ich eine Stunde hätte, um den Planeten zu retten", hat Albert Einstein im Scherz angeblich gesagt, "würde ich 59 Minuten damit verbringen, das Problem zu definieren, und eine Minute lang, es zu lösen."

von Papst und Kirche
Opus Dei - Der Zölibat als Antwort, nicht als Problem

"Wenn ich eine Stunde hätte, um den Planeten zu retten", hat Albert Einstein im Scherz angeblich gesagt, "würde ich 59 Minuten damit verbringen, das Problem zu definieren, und eine Minute lang, es zu lösen."

Es ist nun auf unerträgliche Weise klar geworden, dass wir ein Problem im Klerus der katholischen Kirche haben. Die Geschichten über klerikalen sexuellen Missbrauch und bischöfliche Fahrlässigkeit scheinen endlos zu sein. Wir wollen, dass das Problem gelöst wird, und wir alle sind versucht, den nächstbesten Verdächtigen zu fassen. Für viele ist dieser Verdächtige das priesterliche Zölibat. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum. Wir leben in der Zeit nach der sexuellen Revolution, und die Idee des Zölibats wird von vielen, sogar von vielen treuen Katholiken, mit einem skeptischen Lächeln aufgenommen. Die Krise in der Kirche wird schließlich durch Priester verursacht, die Sexualsünden begehen. Diese Priester sind zölibatär. Das Problem muss der Zölibat sein.

Wie bei Einstein ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, das Problem richtig zu definieren. In Einsteins hypothetischem Szenario wäre es katastrophal für den Planeten, die Diagnose falsch zu stellen. In der Kirche, durch deren Dienst wir das ewige Leben empfangen, sind die Anforderungen noch höher.

Wer selbstbewusst erklärt, dass der Zölibat das Problem ist, geht in der Regel unausgesprochen davon aus, dass ein erfülltes Leben ohne sexuelle Beziehungen ein Widerspruch ist, weil es ungesund ist und zu Missbrauch führt. Viele, so meine ich, sehen uns Zölibatäre als zitternde Bündel sexueller Energie, die jederzeit explodieren können. Und doch, als unser lieber Herr den Jüngern den Zölibat auferlegte - "wer es fassen kann, der fasse es " (Mt 19,12) -, hat er keine unmögliche oder das emotionale und psychologische Wachstum beeinträchtigende Forderung gestellt. Tatsächlich lebt die große Mehrheit der zölibatären Priester ihre Berufung freudig und treu. Jede Studie über Priester, auf die ich gestoßen bin, zeigt, dass ihr persönliches Glück und ihre "Arbeitszufriedenheit" weitaus höher sind als beim Durchschnitt. Anekdotenhaft geben sogar Katholiken, die verärgert über die Kirche im Allgemeinen, über Priester im Allgemeinen, über den Zölibat im Allgemeinen sind, fast immer zu, dass ihr (zölibatärer) Priester anders ist.

Das eigentliche Problem: der schlecht gelebte Zölibat.

Das Problem ist nicht der Zölibat; das Problem ist der schlecht gelebte Zölibat. Geistlicher sexueller Missbrauch wird durch Zölibat nicht mehr verursacht als Ehebruch durch Ehe. Beides sind Verstöße gegen heilige Versprechen, Versprechen, für die der Herr seine Hilfe garantiert, um sie treu zu leben. Anders ausgedrückt: die Erlaubnis für Priester, zu heiraten, würde sexuelle Übertretungen nicht verhindern. Auch der Ehe sind solche Skandalen leider nicht fremd. Die die Vorstellung, dass "Priesterverheiratung" die Krise des sexuellen Missbrauchs lösen wird, deutet auf ein eher dürftiges Bild von der Ehe hin sowie auf eine gewisse Naivität, was den Anteil sexuellen Missbrauchs durch verheiratete Personen betrifft. Die heilige Berufung zur Ehe ist keine Heilung für Sexualtriebe, die vom Volksmund fälschlicherweise als unbändig angesehen werden. Die richtige Antwort ist nicht die Beseitigung des Zölibats, sondern die Forderung, dass Priester - wie verheiratete Menschen - den Forderungen ihrer Berufung gerecht werden.

Der Zölibat selbst ist in der Tat ein kostbares und unersetzliches Geschenk an die Kirche. Wie der heilige Paul VI. vor fünfzig Jahren in Sacerdotalis caelibatus schrieb: "Der priesterliche Zölibat wird von der Kirche seit Jahrhunderten als brillantes Juwel bewacht und behält seinen Wert unvermindert, auch in unserer Zeit, in der sich die Sichtweise der Menschen und der Zustand der Welt so tiefgreifend verändert haben".

Zölibat wird normalerweise negativ definiert als "nicht heiraten", aber in der Tat ist er eine positive Wahl, eine kraftvolle Art der Liebe mit einer Einheitlichkeit des Zwecks und einer einzigartigen Offenheit des Herzens. Er ermöglicht dem Priester, seine geistliche Vaterschaft mit besonderer Kraft und Wirksamkeit zu leben. Nach den Worten des Zweiten Vatikanischen Konzils ist der Zölibat "ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt", die den Priester „noch mehr befähigt, die Vaterschaft in Christus tiefer zu verstehen“.

Die geistlichen Vorteile des priesterlichen Zölibats bereichern seit Jahrhunderten die Kirche und sogar die gesamte Kultur. Sollte der Zölibat in diesem Moment wohlmeinender Empörung abgeschafft werden, würden wir nicht nur das Problem des sexuellen Missbrauchs nicht lösen, sondern auch zukünftigen Generationen die unzähligen Gnaden der geistlichen Vaterschaft vorenthalten, die uns durch den priesterlichen Zölibat zuteilwerden.

Wäre der optionale Zölibat eine Hilfe?

Einige anerkennen zwar den Wert des Zölibats, wünschen sich aber, dass es für diejenigen, die eine priesterliche Berufung erkennen, optional ist. Aber auch hier wird das Problem nicht gelöst. Wenn der Zölibat die Ursache des Missbrauchs ist, dann ist die Antwort nicht der optionale Zölibat, sondern die Zwangsehe! Außerdem wird in unserer gegenwärtigen Kultur, wenn die Ehe eine Option ist, die unverblümte Realität darin bestehen, dass Priester, die den Zölibat wählen, für viele Menschen im Verdacht stehen werden, dass sie mehrdeutige sexuelle Interessen haben.

Da die Bischofsweihe wie in der Ostkirche vermutlich auch weiterhin auf zölibatäre Priester beschränkt bliebe, würde die Entscheidung, auf die Ehe zu verzichten (und damit für den Episkopat qualifiziert zu bleiben), zu zynischen Vermutungen einladen. Der optionale Zölibat würde zu einem zweistufigen Priestertum führen, in dem entweder Mittelmäßigkeit oder Ehrgeiz allzu leicht gedeihen.

Selbst wenn diese Fallstricke irgendwie vermieden werden könnten, würde der optionale Zölibat die Anwärter für das Priestertum unnötig verwirren. Der Zölibat ist ein schönes Geschenk an die Kirche und an den Priester selbst, aber ohne Zweifel ist er manchmal schwer zu verstehen, schwer zu anzunehmen und schwer zu leben. Er entzündet eine edle Großzügigkeit im Herzen eines jungen Mannes, aber wie jede tiefe menschliche Liebe braucht die Entscheidung für den Zölibat Zeit um zu reifen.

Es ist wahr, dass manche Seminaristen immer noch den Zölibat wählen würden, auch wenn er optional wäre. Aber wer könnte zweifeln, dass viele - die sonst die schöne Gnade des Zölibats empfangen könnten - einfach annehmen würden, dass er nichts für sie ist? Wie viele Gnaden des Zölibats würden verfallen, wenn es denjenigen, die einen Ruf zum Priestertum erkennen, unnötig schwer gemacht würde, dieses Geschenk zu empfangen?

Es gibt eine weitere, noch größere Schwierigkeit, die der Ruf nach einem optionalen Zölibat mit sich bringt. Das Priestertum ist keine Position, über die die katholische Kirche die volle Kontrolle hat, da es grundsätzlich nicht ihr Priestertum ist, sondern das Jesu Christi. Da es in der Ostkirche und ausnahmsweise auch im lateinischen Ritus legitimerweise verheiratete Priester gibt, ist klar, dass der Zölibat für die Ausübung des Amtspriestertums nicht notwendig ist. Es ist aber auch wahr, dass das Priestertum selbst, das heißt das Priestertum Christi - an dem alle geweihten Priester teilhaben - ein zölibatäres Priestertum ist. Jesus übte seinen Dienst auf Erden als zölibatärer Priester aus und tut dies auch weiterhin vom Himmel aus. Der Zölibat ist daher für das Priestertum irgendwie wesentlich, auch wenn er nicht von jedem geweihten Priester gelebt wird.

Die Frage des priesterlichen Zölibats untersteht also nur zum Teile dem klugen Urteil der Kirche. Deshalb ist der priesterliche Zölibat (oder die immerwährende Enthaltsamkeit) seit apostolischer Zeit Teil ihres Lebens. Es gab natürlich eine historische Entwicklung, aber trotz der wiederholten Forderungen nach Aufhebung des Zölibats im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Kirche immer entschieden geweigert, hier nachzugeben. Tatsächlich hat sie den Segen des priesterlichen Zölibats immer wieder bekräftigt und sich erneut dazu verpflichtet, ihn in ihrem Klerus treuer zu fördern.

Sexueller Missbrauch ist ein Misserfolg der Keuschheit und der priesterlichen Ausbildung.

Das bringt uns zurück zur Identifizierung der wirklichen Probleme, mit denen die Kirche heute in ihrem Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Geistlichen konfrontiert ist. Sexueller Missbrauch wird nicht durch den Zölibat verursacht, sondern durch das Nicht-Leben des Zölibats, d.h. durch den Verrat des Zölibats. Er wird, mit anderen Worten, von Priestern begangen, die die Keuschheit nicht leben. Da es keinen Grund zu glauben gibt, dass verheiratete Priester irgendwie immun gegen solche Sünden sein würden, kann die Lösung nicht darin bestehen, den Zölibat zu beseitigen; sie liegt vielmehr darin, beispielhafte Keuschheit von allen unseren Geistlichen zu verlangen.

Das ist also die Ursache für unser Problem: Über Jahrzehnte hinweg wurden viel zu viele Priester nicht richtig ausgewählt oder ausgebildet, um eine gesunde zölibatäre Keuschheit zu leben, oder es wurde über ihre sexuellen Übertretungen mit wenig Achtsamkeit oder Verantwortung hinweggesehen. Die beachtliche Zahl von Priestern, die nach der sexuellen Revolution ausgebildet wurden - vor allem jene, die in den 1970er und 1980er Jahren ein Seminar besuchten -, bestätigt diese Behauptung. Es ist eine traurige Geschichte, aber am Ende gibt es gute Nachrichten.

Jahrelang gab es erstaunlich wenig Kontrolle beim Eintritt in die Priesterseminare. Ein Nachweis der akademischen Eignung und die Empfehlung eines Geistlichen waren in der Regel ausreichend. Keine gründliche Untersuchung des moralischen Charakters und der geistigen Reife, keine Referenzen, keine psychologische Untersuchung. Viele wurden aufgenommen, die psychologisch oder emotional unreif waren.

Darüber hinaus hat die Kirche wiederholt darauf bestanden, dass Männer mit dauernden homosexuellen Neigungen nicht in ein Seminar aufgenommen werden sollen (das jüngste offizielle Dokument, das sich damit befasst, wurde übrigens 2016 von Papst Franziskus genehmigt). Dennoch wurden solche Männer in großer Zahl in die Seminare aufgenommen. Die meisten Priester mit gleichgeschlechtlichen Neigungen haben sich jedoch nicht der sexuellen Ausschweifung schuldig gemacht und leben ihren Zölibat treu. Dennoch steht außer Zweifel, dass die große Mehrheit der Fälle von Missbrauch durch Priester den homosexuellen Missbrauch von Jungen und jungen Männern betrifft.

Wie umstritten auch immer, die Weisheit der Entscheidung der Kirche ist im Nachhinein kristallklar geworden. Ihre Missachtung hat in den letzten Jahrzehnten verheerende Folgen für das Leben tausender junger Männer gehabt.

Sobald sie ins Seminar eingetreten waren, wurde das Bild nicht viel besser. Die Formung des keuschen Zölibats war, gelinde gesagt, unzureichend. Das Innenleben und die asketischen Praktiken, die für eine gesunde Keuschheit notwendig sind, wurden nicht umfassend eingeprägt. Viele Männer wurden sogar unter dem falschen, durch ihre Lehrer verstärkten Eindruck geweiht, dass das Erfordernis des Zölibats ohnedies bald wegfallen würde. In einigen Seminaren korrumpierten die verdorbenen Sitten sexueller Freizügigkeit unter Seminaristen und sogar unter Lehrern verletzliche junge Männer oder vertrieben unter Abscheu diejenigen, die nach Tugend strebten.

Noch schlimmer, in vielen Seminaren herrschte theologischer Dissens, und es gab liturgische Experimente, die zu einer scheinheiligen Doppelmoral führten, die die Menschen mit sich ins Priestertum brachten. Intellektuelle Untreue mündet immer in moralische Untreue. Wenn ich die Lehre der Kirche arrogant nach meinen eigenen Meinungen, Vorlieben und Launen beugen kann, warum sollte sich dann diese Arroganz auf dogmatische Aussagen und liturgische Normen beschränken? Warum nicht auch moralische Gebote? Die Meinungsverschiedenheit, die jahrzehntelang in den theologischen Fakultäten herrschte, hat der Kirche einen verheerenden Schaden zugefügt, nicht nur in der lehrmäßigen und liturgischen Verwirrung, sondern auch, wie ich argumentieren würde, im sexuellen Missbrauch.

Das Versagen der Bischöfe, Priester zur Rechenschaft zu ziehen.

Schließlich sind einige Priester, die in diesem Klima der lockeren Scheinheiligkeit aufgewachsen waren, nach der Priesterweihe, ihrem Versprechen nicht überraschend untreu geworden. Und sie wurden dafür selten von ihren Vorgesetzten kritisiert, zumindest in irgendwie bedeutsamer Weise. Einige wurden wiederholt auf neue Posten versetzt; fast keiner wurde aus dem Priestertum entlassen. Das schiere Ausmaß der klerikalen Korruption war für die Bischöfe eine schmerzhafte Peinlichkeit, und als Folge davon entstand eine Kultur der tiefen Geheimhaltung, die nun ans Licht kommt.

Es gibt zweifellos viele Gründe für dieses Durcheinander. Es war eine Zeit des sozialen Umbruchs im Allgemeinen, die zur Unsicherheit und Unruhe in der Kirche beitrug. Viele Priester waren sich nicht sicher, wo sie hingehörten. Ihre Autorität und ihr Priestertum - gewissermaßen ihre Männlichkeit - wurden allmählich durch das so weit verbreitete Misstrauen gegenüber jeder Autorität untergraben. Einige Priester gaben sich dem ungehemmten Geist der Zeit hin, und viele Bischöfe verloren ihren Mut und ihr Selbstvertrauen. Der Böse hat seinen Krieg gegen den Menschen in seiner sexuellen Identität intensiviert, eine brillante und erfolgreiche Kampagne der Täuschung, die bis heute ungebrochen ist.

Vielleicht hat all dies einfach viele sonst gute Bischöfe überwältigt; ich weiß es nicht. Was wir heute jedoch zweifellos wissen, ist, dass die Priester nicht zur Rechenschaft gezogen wurden und zu oft ihr Volk doktrinär, liturgisch und sogar sexuell missbrauchen durften. Die Zweckmäßigkeit übertrumpfte allzu oft die Integrität.

Samenkörner der Erneuerung: Keuschheit

Das sind also einige der Quellen der klerikalen Unkeuschheit heute. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Selbst in den Jahren der tiefsten Verwirrung hat der Heilige Geist Samenkörner der Erneuerung ausgesät, die heute enorme Früchte tragen. Viele Seminaristen, Priester und Bischöfe blieben trotz aller Widerstände in diesen trostlosen Jahrzehnten treu, und heute danken wir Gott für ihr heroisches Zeugnis.

Dann kam der mitreißende Pontifikat des heiligen Johannes Paul II. Unter seinen vielen Reformen war die vielleicht wichtigste - auch wenn selten als solche wahrgenommen - sein wegweisendes Dokument von 1992 Pastores dabo vobis , in dem er ein anregendes und positives Bild des Priestertums und der Seminarbildung zeichnete.

In den folgenden Jahren wurde es weltweit ungleichmäßig umgesetzt, aber der Aufwärtstrend in der Qualität der Ausbildung war unverkennbar. Die Zulassungsstandards in den meisten Diözesen sind stark gestiegen, und die Qualität der Ausbildung hat sich in den meisten Seminaren dramatisch verbessert. Obwohl viele unserer Bürger es nicht vollständig erkennen, begann die Reform des Klerus vor weit über zwei Jahrzehnten.

Die Auseinandersetzung mit dem Problem des sexuellen Missbrauchs von Geistlichen bedeutet zunächst einmal, dass wir uns entschieden zur keuschen Treue in unseren jeweiligen Berufen verpflichten. Für Priester wie für Gläubige ist die beste Antwort auf die herzzerreißenden Offenbarungen des klerikalen Missbrauchs der feste Wille, selbst in Treue und Heiligkeit zu wachsen. Eine neue Blüte der Keuschheit, besonders unter jungen Katholiken, wird mehr zur Stärkung des zukünftigen priesterlichen Zölibats beitragen als jedes offizielle Programm oder jede offizielle Initiative.

Die Berufung zur priesterlichen Vaterschaft

Für diejenigen, die Berufungen fördern und Seminaristen ausbilden, bedeutet Kultivierung keuscher Treue, ihnen zu helfen, ihre zölibatäre Berufung im Lichte der geistigen Vaterschaft zu verstehen. Die Kandidaten sollten daher eine selbstbewusste männliche Identität und einen normalen, gesunden Wunsch nach Ehe und Vaterschaft haben, die reife Fähigkeit, auf diese großen Güter zu verzichten, um sich auf die übernatürliche Vaterschaft zu konzentrieren. Sie sollen die menschlichen Qualitäten und Tugenden der besten natürlichen Väter besitzen oder Eignung dafür zeigen. Im Laufe der Ausbildung soll eine reife und männliche geistige Vaterschaft vermittelt werden, eine Wertschätzung für die Gabe des Zölibats und die Fähigkeit, diese Berufung friedlich und authentisch zu leben.

Einmal geweiht, müssen die Priester zu den höchsten Standards der Keuschheit angehalten werden. Verstöße sollen konsequent, unverzüglich und fair angegangen werden, mit dem Ernst, der einem schweren Vertrauensbruch gegen die eigene geistige Familie entspricht. Die Keuschheit - ruhig, tief und freudig - im Dienste der priesterlichen Vaterschaft ist zweifellos der Weg zu einer echten Reform des Priestertums.

Wer glaubt, dass der Zölibat die Ursache für den sexuellen Missbrauch durch Geistliche ist, versucht, wie wir alle, lediglich zu verhindern, dass sich die schrecklichen Missstände wiederholen. Aber Einstein hatte Recht. Wir müssen lange genug innehalten, um das eigentliche Problem zu identifizieren. Das eigentliche Problem ist nicht, dass eigensinnige Priester unverheiratet waren; das Problem ist, dass sie untreu waren. Der dekadente priesterliche Lebensstil, der zu ihrer Untreue führte, ist das genaue Gegenteil der liebevollen und großzügigen geistlichen Vaterschaft, in die der Zölibat zu Recht eingeordnet ist.

Mittelalterliche Ärzte behandelten oft in bester Absicht Krankheiten, indem sie ihre Patienten zur Ader ließen und ihnen damit unwissentlich genau die Nährstoffe entzogen, die sie brauchten, um gesund zu werden. Ähnlich würden jene, die die Krankheit des sexuellen Missbrauchs in der Kirche heilen wollen, indem sie ihr die Gnade des Zölibats entziehen, wenig tun, um die Krankheit zu heilen, und dabei dem Leib Christi geistliche Nährstoffe entziehen, die für die Rückkehr zur Gesundheit notwendig sind.

Wenn wir das Problem des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche angehen wollen, sollten wir zunächst von unseren Priestern die gleiche Treue erwarten, die wir von allen anderen erwarten, und sie aufrufen, durch das Geschenk des Zölibats den Segen der priesterlichen Vaterschaft anzunehmen, den wir heute mehr denn je brauchen.

Carter Griffin ist ein Priester der Erzdiözese Washington. Seit 2011 beschäftigt er sich mit der Auswahl und Ausbildung von Seminaristen am Saint John Paul II Seminary in Washington, D.C. Der Absolvent der Princeton University und ehemalige Linienoffizier der United States Navy promovierte in Theologie an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom. Griffins Buch "Why Celibacy? Reclaiming the Fatherhood of the Priest" wird in diesem Frühjahr bei Emmaus Road erscheinen. Dieser Artikel, der erstmals in First Things erschien, stammt von Mercatornet und wurde dort mit Genehmigung wiederveröffentlicht.

Photo: Weihe-Zeremonie im Petersdom in Rom im Jahr 2016.
Daniel Ibanez/CNA