Die Vorgeschichte der Gründung des Opus Dei (1917 – 1928)

Am 2. Oktober 1928 war Josemaría ein junger Priester von 26 Jahren. Bis zu diesem Datum gibt es im Grunde noch keine Geschichte des Opus Dei. Es gibt wohl eine Vorgeschichte, die mit der Biographie seines Gründers zusammenfällt und die verschiedene Marksteine hat

Relatos biográficos

Josefmaria Escriva (1916)

Das Opus Dei wurde am 2. Oktober 1928 von Josemaría Escrivá gegründet. Zu diesem Zeitpunkt war Josemaría ein junger Priester von 26 Jahren. Bis zu diesem Datum gibt es im Grunde noch keine Geschichte des Opus Dei. Es gibt wohl eine Vorgeschichte, die mit der Biographie seines Gründers zusammenfällt und die verschiedene Marksteine hat: die „Vorahnungen“, oder die Entdeckung im Alter von ungefähr fünfzehn Jahren, daß Gott ihn um etwas bat; der daraus sich ergebende Entschluß, Priester zu werden, weil er verstand, daß dies die beste Art und Weise war, sich für die Erfüllung des Willens Gottes bereit zu halten; und das unablässige Gebet, die Abtötung und das Studium, um dieses „etwas“ zu erfahren... Diese Vorgeschichte endete 1928 in Madrid.

Die „Vorahnungen“

Mehrere Texte des heiligen Josefmaria mit autobiographischem Charakter aus seinen „persönlichen Aufzeichnungen“ oder seinen späteren Erinnerungen fassen diesen Zeitraum zusammen. Die „persönlichen Aufzeichnungen“, auf die hier vor allem zurückgegriffen wird, sind Originaltexte des Gründers des Opus Dei, in denen sich viele Aspeckte seines inneren Lebens und der ersten Schritte seiner apostolischen Arbeit widerspiegeln. Die persönlichen Aufzeichnungen wurden fast gänzlich parallel zum Ablauf der Ereignisse zwischen 1930 und 1940 niedergeschrieben.

Erinnerungen des Gründers des Opus Dei in einer Betrachtung, 19.3.1975

Ich begann, die Liebe zu ahnen, zu merken, daß mein Herz nach etwas Großem verlangte und daß es die Liebe war (...). Ich wußte nicht, was Gott von mir wollte, aber es war – offensichtlich – eine Erwählung. Es würde schon kommen, was auch immer es sein würde ... Gleichzeitig begriff ich, daß ich dazu nicht taugte, und ich stellte diese Litanei auf, die nicht Ausdruck falscher Demut ist, sondern der Selbsterkenntnis: Ich tauge nichts, ich habe nichts, ich kann nichts, ich bin nichts, ich weiß nichts...

Anmerkung des Gründers des Opus Dei in seinen persönlichen Aufzeichnungen, Nr. 290 (9/1931)

Ohne Zweifel wollte Jesus, daß ich aus meiner Dunkelheit rief wie der Blinde aus dem Evangelium. Und ich rief Jahre hindurch, ohne zu wissen, worum ich bat. Und ich schrie oftmals das Gebet „ut sit!“ [daß es sei], das ein neues Sein zu erbitten scheint.

Erinnerungen des Gründers des Opus Dei in einer Betrachtung, 14.2.1964

Er ließ mich in ein christliches Zuhause hineingeboren werden, wie sie in meiner Heimat die Regel sind, mit vorbildlichen Eltern, die ihren Glauben lebten und ausübten und die mir stets – und schon von klein auf – sehr viel Freiheit ließen und dabei dochsorgsam auf mich achtgaben. Sie versuchten, mir eine christliche Bildung mitzugeben (...)

Alles normal und gewöhnlich. Und die Jahre vergingen. Ich hatte nie daran gedacht, Priester zu werden; mich ganz Gott zu widmen – daran hatte ich nie gedacht. Das Problem stellte sich gar nicht, denn ich war der Meinung, das alles käme für mich nicht in Frage. Aber der Herr führte mich seine Wege. Er schenkte mir Gnade um Gnade, übersah meine Fehler, meine Irrtümer, die des Kindes, die des Heranwachsenden. (...)

Die Zeit verging und die Zeichen Gottes wurden immer häufiger; ich begann zu ahnen, daß er etwas Bestimmtes wollte (...) Ich erinnere mich an so viele Liebeserweise Gottes damals. Meiner ungeachtet bereitete der Herr mich durch scheinbar unbedeutende Ereignisse vor, derer er sich bediente, um in meiner Seele die göttliche Unruhe zu wecken. Darum verstehe ich auch diese zugleich menschliche und göttliche Liebe der heiligen Therese vom Kinde Jesu so gut, die ein Bildchen mit der durchbohrten Hand des Erlösers, das sie zwischen den Seiten eines Buches fand, innerlich tief anrührte. Dinge dieser Art sind auch mir widerfahren, haben mich innerlich aufgerüttelt und mich zur täglichen heiligen Kommunion geführt, zur Läuterung, zur Beichte – und zur Buße. (...)

Gott unser Herr wollte aus jenem armen Geschöpf, das sich nicht bearbeiten ließ, den ersten Stein jener Bundeslade machen, zu der Menschen vieler Nationen, vieler Rassen und aller Sprachen kommen würden. (...)

Unser Herr bearbeitete den Baum mit einer Axt, um daraus den Balken zu schlagen, der trotz seiner Schwäche zur Verwirklichung seines Werkes dienen sollte. Fast ohne es zu bemerken, wiederholte ich: Domine, ut videam! Domine, ut sit! Ich wußte nicht, was es war, aber ich ging einfach weiter, ohne der Güte Gottes ganz und gar zu antworten – ich wartete auf etwas, das ich eines Tages erhalten sollte: eine Fülle von Gnaden, eine nach der anderen, die ich nicht benennen könnte, die ich wirkende Gnaden nannte, denn sie machten meinen Willen so gefügig, daß ich mich kaum noch anstrengen mußte. Ich ging also voran, ohne Besonderheiten und mit durchschnittlichem Fleiß. Das waren die Jahre in Saragossa.

Textquelle

FUENTES PARA LA HISTORIA DEL OPUS DEI (Quellen für die Geschichte des Opus Dei), Federico M. Requena und Javier Sesé, Mai 2002