Papst Franziskus spricht von Heiligkeit für alle, nicht nur für Auserwählte

Bischof Echevarria: "Wenn man ein wenig Zeit mit dem Papst verbringt, kommt man zur Überzeugung, mit einem guten Vater beisammen zu sein"

vom Papst

Manche Kritiker sahen in ihrem Netzwerk die Verhinderer der Wahl von Jorge Mario Bergogolio zum Papst im Jahr 2005: die Personalprälatur Opus Dei der katholischen  Kirche. Kurz vor Weihnachten hat der nunmehrige Papst Franziskus den Opus-Dei-Prälat Bischof Javier Echevarría erneut zur Audienz im Vatikan empfangen. "Wenn man ein wenig Zeit mit dem Papst verbringt, kommt man zur Überzeugung, mit einem guten Vater beisammen zu sein", schilderte Echevarría im Anschluss seinen bereits dritten Besuch bei Franziskus in diesem Jahr. Der Papst habe Opus Dei ermutigt, weiter in allen Ländern apostolisch zu arbeiten.

      Das noch 2005 heftig diskutierte Verhältnis zwischen Kardinal Bergogolio und dem Opus Dei war in den vergangenen Monaten keine Schlagzeilen wert. Nicht viel Neues ist über die Beziehungen zwischen dem Papst und der ihm unterstellten  Personalprälatur bekanntgeworden.

      Im Juli unterzeichnete der Papst das Seligsprechungsdekret für Bischof Alvaro del Portillo Diez de  Sollano (1914-1994), dem früheren Prälaten des Opus Dei. Von Mitte November datiert schließlich eine  päpstliche Grußbotschaft an die Teilnehmer eines Kongresses über das theologische Denken des Opus-Dei-Gründers in Rom. Darin bezeichnete Franziskus den Gründer des Opus Dei, den heiligen Josefmaria Escrivá (1902-1975), mit Blick auf dessen Betonung der allgemeinen Berufung aller Menschen zur Heiligkeit, als einen "Vorläufer des Zweiten Vatikanischen Konzils". Der heilige Josefmaria sei "ein wunderbares Beispiel für ein Priesterleben", schrieb Franziskus.

"Franziskus mit Freude willkommen geheißen"

In einem ausführlichen Interview mit der italienischen Tageszeitung "Corriere de la Sera" unterstrich Opus-Dei-Leiter Bischof Echevarría Mitte Dezember die Verbundenheit der  Personalprälatur mit dem amtierenden Papst. "Wir haben ihn mit großer Freude willkommen geheißen", sagte Echevarría und verwies darauf, dass Franziskus die Heiligkeit aller Menschen betone: "Da ist eine Frau, die sich um die Kinder kümmert, ein Mann, der arbeitet, damit die Familie zu essen hat, da sind die Kranken. Die westliche Welt hat es nötig, diese Art von Heiligkeit wieder zu entdecken. Das ist nicht ein Weg für einige wenige Privilegierte: es ist eine Einladung unseres Herrn an alle Männer und Frauen."

      Als weltweit aktive Seelsorgeeinrichtung  der Kirche biete das Opus Dei durch geistliche Bildung einen Weg an, Christen zu helfen, inmitten der alltäglichen Beschäftigungen wieder "die Flamme einer lebendigen und persönlichen Beziehung zu Gott zu entzünden", beschrieb Echevarría den Kern der Spiritualität der in  rund  65 Ländern tätigen Personalprälatur, der knapp 90.000 Mitglieder angehören. "Das ist es, was die Neue Evangelisierung bedeutet." 

Bergoglio betete am Grab Escrivás

Papst Franziskus kenne die Arbeit des Opus Dei noch aus seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires und habe auch den Opus-Dei-Gründer sehr gut gekannt, so Echevarría in "Corriere de la Sera": "Vor einigen Jahren kam er, um hier in Rom das Grab des heiligen Josefmaria zu besuchen und verweilte dort 45 Minuten im Gebet."

      Die Menschen hätten in Franziskus sofort "einen authentischen  Priester erkannt, der viel betet und die Anliegen  der vor ihm befindlichen Person aufmerksam anhört", sagte Echevarría. Gleichzeitig sei der Papst genügsam in seinem persönlichen Leben und lehre "die Tugend der Armut wahrhaft zu lieben".

Tugend der Armut

Diesen Ruf, für die Armen da zu sein, nehme auch das Opus Dei sehr ernst, entgegnete der Opus-Dei-Leiter auch Kritikern, wonach das Opus Dei nur für Reiche da sei. Weltweit - ob in Indien, im Kongo, auf den Philippinen oder in Europa - seien auf Impuls von Opus-Dei-Mitgliedern soziale Initiativen zur Hilfe für Arme und Kranke entstanden. "Viele Gläubige der Prälatur, in verschiedenen Teilen der Welt, tun sich schwer, zum Monatsende noch genug Geld zu haben, um alle ihre Rechnungen zu bezahlen. Sie müssen diese Herausforderung mit Heroismus und Glauben ertragen, ohne darüber viel Aufhebens zu machen", hielt er fest.

      Und was erwartet sich Echevarría als Leiter einer Institution - in der rund 75 Prozent der Mitglieder verheiratet sind und selbst eine Familie haben - von der vom Papst für das kommenden Jahr einberufenen Familiensynode? Echevarría erhofft sich einen Ansporn, "die Schönheit von Liebe und Treue wieder zu  entdecken und auch die  familiäre Atmosphäre, die ebenso mit Worten und Gesten des Dienstes jenen gegenüber errichtet wird, die auf diesem Gebiet ihres Lebens verwundet worden sind".

Quelle: KATHPRESS-Infodienst Nr.597/598, 27. Dezember 2013 Seite 4-5