05. Die Heiligste Dreifaltigkeit

Es handelt sich um das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens. Die Christen werden getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Bausteine des Glaubens
Opus Dei - 05. Die Heiligste Dreifaltigkeit

1. Die Offenbarung des einen und dreifaltigen Gottes

„Das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist das Mysterium der Heiligsten Dreifaltigkeit. Die Christen werden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft“ (Kompendium, 44). Das ganze Leben Jesu ist Offenbarung des einen und dreifaltigen Gottes. Bei der Verkündigung und bei der Geburt, anlässlich der Episode der Wiederauffindung des Zwölfjährigen im Tempel, bei Tod und Auferstehung offenbart sich Jesus als Sohn Gottes im Sinn einer Sohnschaft, die für Israel völlig neu ist. Am Beginn von Jesu öffentlichem Auftreten bezeugt außerdem der Vater der Welt bei der Taufe im Jordan, dass Christus der geliebte Sohn ist (vgl. Mt 3,13-17 und par.), und der Geist schwebt in Gestalt einer Taube auf ihn herab. Dieser ersten ausdrücklichen Offenbarung der Dreifaltigkeit entspricht die Offenbarung bei der Verklärung, die schon zum Paschamysterium hinführt (vgl. Mt 17,1-5 und par.). Als Jesus schließlich von seinen Jüngern Abschied nimmt, sendet er sie mit dem Auftrag aus, im Namen der drei göttlichen Personen zu taufen, um der ganzen Welt das ewige Leben des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes mitzuteilen (vgl. Mt 28,19).

Im Alten Testament hatte Gott seine Einzigkeit und seine Liebe zum auserwählten Volk geoffenbart. Yahwe war wie ein Vater. Nachdem er aber auf vielerlei Weise durch die Propheten gesprochen hatte, sprach er schließlich durch den Sohn (vgl. Hebr 1,1-2) und offenbarte so, dass er nicht nur wie ein Vater, sondern dass er Vater ist (vgl. Kompendium, 46). Jesus wendet sich an ihn im Gebet mit dem aramäischen Ausdruck Abba, gebraucht damit ein Wort, mit dem israelische Kinder ihren leiblichen Vater ansprachen (vgl. Mk 14,36), und unterscheidet seine Sohnschaft immer von der seiner Jünger. Das erregt derart Anstoß, dass der eigentliche Grund für die Kreuzigung gerade darin liegt, dass er sich in einem einzigartigen Sinn Sohn Gottes nennt. Es handelt es sich um eine endgültige und unmittelbare Offenbarungi, denn Gott offenbart sich durch sein Wort: Es ist keine andere Offenbarung mehr zu erwarten, weil Christus Gott ist (vgl. z.B. Joh 20,17), der sich uns schenkt, indem er uns in das Leben, das aus dem Schoß des Vaters strömt, hineinführt.

In Christus öffnet sich Gott und schenkt uns sein Innerstes, das dem Menschen aus eigener Kraft unzugänglich wäreii. Diese Offenbarung ist ein Akt der Liebe, denn der persönliche Gott des Alten Testaments öffnet freiwillig sein Herz, und der Eingeborene des Vaters geht auf uns zu, um mit uns eins zu werden und uns zum Vater zurückzubringen (vgl. Joh 1,18). All dies

konnte die Philosophie nicht einmal ahnen; denn es kann allein im Glauben erkannt werden.

2. Das innerste Leben Gottes

Gott hat nicht nur ein inneres Leben, sondern er ist dieses sein inneres Leben, das durch ewige Lebensbeziehungen der Erkenntnis und der Liebe gekennzeichnet ist. Deshalb sprechen wir, um das Geheimnis der Gottheit zu bezeichnen, von Hervorgängen.

Tatsächlich verlangen die geoffenbarten Namen der drei göttlichen Personen, dass wir Gott als ewiges Hervorgehen des Sohnes aus dem Vater denken und als die gegenseitige, gleichfalls ewige Beziehung der Liebe, die „aus dem Vater hervorgeht“ (Joh 15,26) und „von dem nehmen wird“ (Joh 16,14), was des Sohnes ist. Die Offenbarung spricht demnach von zwei Hervorgängen in Gott: von der Zeugung des Wortes (vgl. Joh 17,6) und vom Hervorgang des Heiligen Geistes. Das Besondere daran ist, dass beide immanente Beziehungen sind, denn sie sind in Gott. Mehr noch, sie sind Gott selbst, insofern Gott personal ist. Wenn wir von Hervorgang sprechen, denken wir gewöhnlich an etwas, das von einem anderen ausgeht und Wechsel und Bewegung mit sich bringt. Da der Mensch nach dem Bild und Gleichnis des dreieinigen Gottes geschaffen ist (vgl. Gen 1,26-27), können wir die beste Analogie für die göttlichen Hervorgänge im menschlichen Geist finden, dessen Selbsterkenntnis nicht nach außen dringt. Der Begriff, den wir von uns selbst bilden, ist von uns verschieden, liegt aber nicht außerhalb von uns. Dasselbe gilt für die Liebe, mit der wir uns lieben. In ähnlicher Weise geht in Gott der Sohn Gottes aus dem Vater hervor und ist sein Abbild, analog zu unserem Begriff, der ja Abbild der erkannten Wirklichkeit ist. Nur ist dieses Bild Gottes so vollkommen, dass es Gott mit seiner Unendlichkeit, Ewigkeit und Allmacht selbst ist. Der Sohn ist mit dem Vater eins, er ist dasselbe Etwas (die einzige und ungeteilte göttliche Natur), auch wenn er ein anderer Jemand ist. Das nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis drückt das mit der Formel aus: “Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“. In der Tat zeugt der Vater den Sohn, indem er sich ihm schenkt, ihm seine Wesenheit und seine Natur übergibt, und zwar nicht zum Teil, wie das bei der menschlichen Zeugung geschieht, sondern vollkommen und unendlich.

Gleiches kann man vom Heiligen Geist sagen, der hervorgeht als Liebe des Vaters und des Sohnes. Er geht von beiden aus, denn er ist die ewige ungeschaffene Gabe, die der Vater dem Sohn übergibt, indem er ihn zeugt, und die der Sohn dem Vater als Antwort auf seine Liebe zurückgibt. Diese Gabe ist Selbstgabe, denn der Vater zeugt den Sohn, indem er ihm durch den Geist sein Sein ganz und vollkommen mitteilt. Die dritte Person ist also die gegenseitige Liebe des Vaters und des Sohnesiii. Der Fachausdruck für diesen zweiten Hervorgang ist Hauchung. Der Analogie von Erkennen und Liebe gemäß kann man sagen, dass der Geist hervorgeht wie der Wille, der nach dem erkannten Gut strebt.

Diese beiden Hervorgänge bezeichnet man als immanent, und sie unterscheiden sich grundsätzlich von der Schöpfung, die transeunt ist, also etwas betrifft, was Gott außerhalb seiner selbst wirkt. Insofern es sich um Hervorgänge handelt, verweisen sie auf eine Verschiedenheit in Gott; insofern sie immanent sind, verweisen sie auf die Einheit. Das Geheimnis des einen und dreifaltigen Gottes kann daher nicht auf eine unterschiedslose Einheit reduziert werden, als wären die drei Personen gleichsam nur drei Masken, noch darf es als drei Seiende ohne vollkommene Einheit verstanden werden, als handle es sich um drei miteinander verbundene Götter.

Die beiden Hervorgänge sind das Fundament der verschiedenen Beziehungen, die in Gott mit den Personen identifiziert werden: das Vatersein, das Sohnsein und das Von-ihnen-gehaucht-Sein. So wie jemand nicht im selben Sinn Vater und Sohn einer und derselben Person sein kann, so ist es auch unmöglich, dass die aufgrund der Hauchung hervorgehende Person zugleich die zwei Personen ist, aus denen sie hervorgeht. Dabei muss klargestellt werden, dass in der geschaffenen Welt Beziehungen immer Akzidentien sind, also nicht mit dem Sein der Dinge zusammenfallen, selbst wenn sie – wie etwa die Sohnschaft – dieses zutiefst prägen. Da bei den Hervorgängen in Gott die ganze göttliche Wesenheit geschenkt wird, sind die Beziehungen ewig und fallen mit der göttlichen Wesenheit in eins zusammen.

Diese drei ewigen Beziehungen charakterisieren die göttlichen Personen nicht nur, sondern sie sind mit ihnen identisch, denn an den Vater zu denken bedeutet, an den Sohn zu denken; und an den Heiligen Geist zu denken bedeutet, an die beiden zu denken, für die er der Geist ist. Jede der drei göttlichen Personen ist also ein Jemand, aber sie sind ein einziger Gott. Es ist nicht wie bei drei Menschen, die Anteil an derselben menschlichen Natur haben, diese aber nicht ausschöpfen. Jede der drei Personen ist die ganz Gottheit, jede ist mit der einzigen göttlichen Wesenheit identischiv. Jede Person ist auch in den beiden anderen. Darum sagt Jesus zu Philippus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9), weil er und der Vater eins sind (vgl. Joh 10,30 u. 17,21). Diese Dynamik, die technisch pericóresis oder circumincessio heißt (die beiden Ausdrücke beziehen sich auf eine dynamische Bewegung, bei der wie beim Reigentanz einer mit dem anderen Platz tauscht), hilft zu verstehen, dass das Mysterium des dreieinigen Gottes ein Geheimnis der Liebe ist: „Er selbst ist ewiger Liebesaustausch – Vater, Sohn und Heiliger Geist – und hat uns dazu bestimmt, daran teilzuhaben“ (Katechismus, 221).

3. Unser Leben in Gott

Da Gott unendliche Liebesbeziehung ist, wird verständlich, dass diese Liebe in ihrem Wirken nach außen überströmt. Alles Handeln Gottes in der Geschichte ist das gemeinsame Werk der drei Personen, die sich nur in Gottes Innenleben voneinander unterscheiden. Trotzdem drückt jede den göttlichen Handlungen ad extra ihren persönlichen Stempel aufv. Mit einem Vergleich könnte man sagen, dass das göttliche Handeln immer nur eines ist wie ein Geschenk, das wir von einer befreundeten Familie erhalten und das Frucht eines einzigen Aktes ist; wer aber die einzelnen Familienmitglieder kennt, der kann unterscheiden, wer welchen persönlichen Beitrag zu diesem Geschenk geleistet hat.

Ein derartiges Wiedererkennen ist möglich, weil wir die göttlichen Personen in ihrer persönlichen Unterschiedenheit aus den Sendungen erkannt haben, als der Vater den Sohn und den Heiligen Geist zusammen in die Geschichte sandte (vgl. Joh 3,16-17 und 14,26), damit sie unter den Menschen gegenwärtig sind: „Vor allem die göttlichen Sendungen der Menschwerdung und der Sendung des Heiligen Geistes lassen die Eigenarten der göttlichen Personen zutage treten“ (Katechismus, 258). Sie sind wie die beiden Hände des Vatersvi, welche die Menschen aller Zeiten umarmen, um sie in den Schoß des Vaters zu führen. Wenn Gott in den Seienden als Prinzip von allem, was existiert, gegenwärtig ist, so wird er durch die Sendungen des Sohnes und des Heiligen Geistes auf neue Weise gegenwärtigvii. Das Kreuz Christi zeigt den Menschen aller Zeiten das ewige Geschenk, zu dem Gott selbst sich macht, indem er in seinem Tod die innerste Liebesdynamik offenbart, die die drei Personen miteinander verbindet.

Das bedeutet, dass der letzte Sinn der Wirklichkeit – was jeder Mensch ersehnt und was die Philosophen und die Religionen aller Zeiten gesucht haben – das Mysterium des Vaters ist, der von Ewigkeit her den Sohn in der Liebe zeugt, die der Heilige Geist ist. So findet sich in der Dreifaltigkeit das Urbild der menschlichen Familieviii, und das innere Leben der Dreifaltigkeit ist die eigentliche Sehnsucht jeder menschlichen Liebe. Gott will, dass alle Menschen eine Familie bilden, also eins mit ihm sind als seine Kinder im Sohn. Jeder Mensch wurde nach dem Bild und Gleichnis der Dreifaltigkeit geschaffen (vgl. Gen 1,27) und ist dazu bestimmt, in Gemeinschaft mit den übrigen Menschen und vor allem mit dem himmlischen Vater zu leben. Hier liegt der tiefste Grund für den Wert jedes einzelnen Menschenlebens, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder Möglichkeiten.

Zugang zum Vater aber gibt es nur in Christus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (vgl. Joh 14,6). Durch die Gnade können die Menschen dazu gelangen, in der Gemeinschaft der Kirche ein mystischer Leib in Christus zu sein. Durch die Schau des Lebens Christi und durch die Sakramente erhalten wir Zugang zum innersten Leben Gottes. Die Taufe führt uns ein in die Dynamik der Liebe der Familie der drei göttlichen Personen. Im christlichen Leben geht es deshalb darum, ausgehend von der Alltagsexistenz, von den zahlreichen Beziehungen, die wir aufbauen, und von unserem Familienleben, dessen Vorbild die Heilige Familie von Nazaret ist, zu entdecken, wie wir zu Gott gelangen können: „Suche immerfort in deiner Seele den Umgang mit den drei göttlichen Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Und der Zugang zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist Maria“ix. Auf diese Weise kann es gelingen, den Sinn der Geschichte als Weg „von Dreifaltigkeit zu Dreifaltigkeit“ zu verstehen, indem wir von der „Dreifaltigkeit der Erde“ lernen – von Jesus, Maria und Josef –, den Blick zur Dreifaltigkeit des Himmels zu erheben.

GIULIO MASPERO

Erstveröffentlichung des Originals 21.11.2012

Grundlegende Literatur:

Katechismus der katholischen Kirche, 232-267.

Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche, 44-49.

Empfohlene Literatur:

Hl. Josefmaria, Homilie Demut, in Freunde Gottes, 104-109.

J. Ratzinger, Der Gott Jesu Christi. Betrachtungen über den dreieinigen Gott, München 1976.


i Vgl. hl. Thomas von Aquin, In Epist. ad Gal., c.1, lect 2.

ii „Gott hat in der Schöpfung und im Alten Testament Spuren seines dreifaltigen Wesens hinterlassen, aber sein innerstes Wesen als heilige Dreifaltigkeit stellt ein Geheimnis dar, das der menschlichen Vernunft allein nicht zugänglich ist und vor der Menschwerdung des Sohnes Gottes und der Sendung des Heiligen Geistes auch dem Glauben Israels unzugänglich war. Dieses Mysterium wurde von Jesus Christus geoffenbart und ist der Urquell aller anderen Mysterien“ (Kompendium, 45).

iii Der Heilige Geist „ist die dritte Person der Heiligsten Dreifaltigkeit. Er ist ein und derselbe Gott mit dem Vater und dem Sohn. Er ‚geht vom Vater aus’ (Joh 15,26), der als Anfang ohne Anfang der Ursprung des gesamten Lebens der Dreifaltigkeit ist. Er geht auch aus dem Sohn hervor (Filioque), weil der Vater ihn dem Sohn als ewiges Geschenk mitteilt. Vom Vater und vom Mensch gewordenen Sohn gesandt, führt der Heilige Geist die Kirche ‚in die ganze Wahrheit’ (Joh 16,13)“ (Kompendium, 47).

iv „Die Kirche drückt ihren Glauben an die Dreifaltigkeit aus, indem sie einen einzigen Gott in drei Personen bekennt: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die drei göttlichen Personen sind ein einziger Gott, denn jede von ihnen ist mit der Fülle der einzigen und unteilbaren göttlichen Natur identisch. Sie sind real voneinander verschieden durch die gegenseitigen Beziehungen: Der Vater zeugt den Sohn, der Sohn wird vom Vater gezeugt, der Heilige Geist geht aus dem Vater und dem Sohn hervor“ (Kompendium, 48).

v „Unzertrennlich in ihrem einen Wesen, sind die göttlichen Personen auch unzertrennlich in ihrem Tun: Die Dreifaltigkeit hat nur ein und dasselbe Wirken. Doch in dem einen göttlichen Tun wirkt jede Person so, wie es ihrer Eigenart in der Dreifaltigkeit entspricht“ (Kompendium, 49).

vi Vgl. hl. Irenäus, Adversus haereses, IV, 20,1; vgl. Katechismus, 292.

vii Hl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae, I, q.43, a.1, c und a.2, ad. 3.

viii Johannes Paul II., Brief an die Familien, 2.2.1994, 6: „Das göttliche ‘Wir‘ bildet das ewige Vorbild des menschlichen ‚Wir‘, das von dem nach dem Abbild und der Ähnlichkeit Gottes geschaffenen Mann und der Frau gebildet ist“.

ix Hl. Josefmaria, Im Feuer der Schmiede, 543.