Quico’s Tränen: Zum Tod von Joaquín Navarro-Valls am 5. Juli 2017

„Er war ein eleganter und überzeugender Kommunikator, ein illustres Mitglied der Prälatur und ein treuer Diener der Päpste und der Kirche.“ – Ein Nachruf von Antonio Pelayo

vom Opus Dei

Ich habe Joaquín im August des Jahres 1978 kennengelernt. Anlass war der Tod des seligen Paul VI. und das Konklave, in dem Johannes Paul I. gewählt wurde, und seitdem stand ich mit ihm in ständigem beruflichem und freundschaftlichem Kontakt. Zu jener Zeit war er Romkorrespondent der spanischen Tageszeitung »ABC«. 1983 wurde er zum Präsidenten der Vereinigung der ausländischen Presse in Italien gewählt, ein Amt, das er niederlegte, als Karol Wojtyla ihn 1984 zum Nachfolger von P. Romeo Panciroli an die Spitze des vatikanischen Pressebüros berief. Im Laufe von zwanzig Jahren veranlasste er umfassende Veränderungen in dieser wichtigen Einrichtung, modernisierte und verschlankte sie, so dass sie zu einem unumgänglichen Informationsmittel für all jene wurde, die sich in der Welt für aktuelle Nachrichten aus der katholischen Kirche interessierten.

Navarro-Valls wurde 1936, wenige Monate vor Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, im ostspanischen Cartagena geboren, wo er sein Studium begann. Anschließend zog er nach Granada und dann nach Barcelona, um seinen Doktor in Medizin zu machen, mit einer anschließenden Spezialisierung in Psychiatrie. Seine Leidenschaft für die Literatur führte ihn dazu, sich an der Universität Navarra in der Fakultät für Journalismus einzuschreiben. Zu jener Zeit stand er bereits im Kontakt mit dem Opus Dei, dem er später als Numerarier angehörte und an dessen Aktivitäten er sowohl in Barcelona als auch in Granada mitarbeitete. Im Jahr 1970 siedelte er nach Rom über und wurde ein enger Mitarbeiter des Gründers, des heiligen Josemaría Escrivá de Balaguer, und anschließend seines Nachfolgers, des seligen Álvaro del Portillo. Dabei war er vor allem im Bereich der Kommunikation tätig. Ende der 1970er Jahre wurde er zum Italien- und Vatikankorrespondenten von »ABC« ernannt und war auch für das aktuelle Geschehen in verschiedenen Ländern des Mittelmeerraumes zuständig.

Eine entscheidende Wende in seinem Leben war die Berufung zum Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls durch Johannes Paul II., denn der Heilige Vater wollte dem Kommunikationsorgan des Vatikans einen neuen Rhythmus geben. Navarro-Valls war der erste Nicht-Italiener in diesem Amt. Er zeichnete sich sofort durch seine Begabung als Kommunikator aus und modernisierte die altehrwürdigen Strukturen des Amtes in der Via della Conciliazione, indem er sie dank der innovativen Kommunikationstechnik funktionaler und effizienter werden ließ. Im Laufe der Jahre vertiefte er seine persönliche Beziehung zum Papst und zum damaligen Privatsekretär des Papstes, Msgr. Stanislaw Dziwisz, heute emeritierter Erzbischof von Krakau und Kardinal. Er begleitete den Heiligen Vater auf seinen zahlreichen Reisen auf alle fünf Kontinente. Er blieb auch während der Sommerferien in den Bergen Norditaliens an seiner Seite. Ich würde zu behaupten wagen, dass zwischen ihnen eine besondere Empathie herrschte.

Navarro-Valls beschränkte sich jedoch nicht auf sein Amt als Direktor des Pressebüros. Er war mehrmals Mitglied der Vatikandelegationen auf den von der Uno in Kairo (1994), Peking (1995) und Istanbul (1996) veranstalteten internationalen Konferenzen. Außerdem fungierte er bei der Vorbereitung einiger besonders heikler Papstreisen als besonderer Ansprechpartner, zum Beispiel 1998 im Vorfeld der Kubareise. Damals führte er mit dem kubanischen Leader Fidel Castro ein sehr langes Gespräch, in dem es ihm gelang, diesem einige Versprechen abzuringen, wie zum Beispiel die Direktübertragung im Fernsehen von allen Gottesdiensten, die Papst Johannes Paul II. auf der Karibikinsel feiern würde.

Auf ihn geht auch die Idee zurück, die päpstliche Kommunikation nicht auf Ansprachen und Predigten zu beschränken, sondern sie auch auf die Veröffentlichung von Büchern auszudehnen. So entstanden unter anderem Die Schwelle der Hoffnung überschreiten (1994), Auf, lasst uns gehen! (2004) und Erinnerung und Identität (2005), Werke, die in verschiedene Sprachen übersetzt und in der ganzen Welt in Hunderttausenden von Exemplaren verkauft wurden.

Je mehr die Krankheit von Johannes Paul II. Besitz ergriff, desto mehr stieg auch die weltweite Aufmerksamkeit für den Gesundheitszustand des Papstes. In jenen langen Jahren griff Joaquín auf seine medizinischen Kenntnisse zurück, um den Verlauf der Krankheit und die verschiedenen Operationen besser zu erklären, die die motorischen und kommunikativen Fähigkeiten des Papstes immer wahrnehmbarer einschränkten. Zugleich wuchs in ihm das Bewusstsein, das Leben eines Heiligen zu teilen. Er erklärte: „Ich bin mir bewusst, dass ich vor Gott werde Rechenschaft ablegen müssen für das unaussprechliche Glück, im Umkreis eines Mannes gearbeitet zu haben, in dessen Nähe die Existenz der Gnade mit Händen zu greifen ist.“

Am 1. April 2005 überwältigten ihn die Gefühle, als er mitten im der Pressekonferenz seine Tränen nicht zurückhalten konnte, während er auf die Frage eines Journalisten antwortete, der wissen wollte, was er angesichts des baldigen Ablebens seines geliebten und bewunderten polnischen Papstes empfand.

Als Kardinal Ratzinger, mit dem Navarro-Valls in enger Verbindung geblieben war, zum Nachfolger Petri gewählt wurde, bestätigte ihn dieser in seinem Amt, aber in den Augen aller hatte das Szenarium sich sehr verändert. Über ein Jahr blieb er an der Spitze des „Büros“ (wie er es zuweilen nannte), aber wie er selbst später sagte, bat er Benedikt XVI. dreimal, ihn zu ersetzen. Dies geschah im Juli 2006, als er dem Jesuiten Federico das Feld überließ.

„Dr. Navarro“ kehrte damit zu seiner alten Leidenschaft, der Medizin, zurück und wurde zum Präsidenten des „Advisory Board“ der Universität „Campus Biomedico“ ernannt, das die Prälatur Opus Dei in der Nähe Roms eröffnet hatte. Von Zeit zu Zeit erschien sein Name in den Tageszeitungen oder er war in Fernsehsendungen der ganzen Welt zu sehen. Es ist uns nie gelungen, ihn zu überzeugen, ein Buch mit seinen „beichtbaren“ Memoiren zu schreiben. Er lehnte dies stets ab: „Das Interessanteste könnte ich gar nicht erzählen, und der Rest ist in gewisser Weise bereits bekannt.“ Vielleicht hat er einige unveröffentlichte Texte hinterlassen, die eine Veröffentlichung lohnen würden…

Er war ein eleganter und überzeugender Kommunikator, ein illustres Mitglied der Prälatur, zu der er schon seit jungen Jahren gehörte (wo er unter dem familiären Namen „Quico“ bekannt war), und ein treuer Diener der Päpste und der Kirche.

Der italienische Nachruf von Antonio Pelayo erschien am 7. Juli 2017 in der vatikanischen Tageszeitung L’Osservatore Romano. Die Übersetzung stammt aus der Wochenausgabe in deutscher Sprache vom 14. Juli.