Ein Heiliger wie ein Komet

Eine Betrachtung zum Fest des hl. Johannes des Täufers von Josef Arquer

Betrachtungen zum Kirchenjahr
Opus Dei - Ein Heiliger wie ein Komet © goruma

Von den Kometen heißt es, sie wurden in früheren Zeiten als himmlische Verkünder irdischer Umbrüche angesehen, zuerst als Zeichen des Heils, seit der Renaissance als Zeichen des Unheils. Heute schicken wir Sonden zu ihnen.

Ein kometenhafter Heiliger - das war Johannes der Täufer. Ein urgewaltiger Verkünder des einzigen wirklichen Umbruchs in der Weltgeschichte, in welchem der Himmel auf die Erde fällt. Die Erde wird nicht erschlagen, sondern von der Schwerkraft der Sünde erlöst und mit der Beschwingtheit der Gnade beflügelt. Johannes ist ein erstes Aufleuchten der Menschwerdung Christi. Er steht an der Schwelle der Erlösung, der Zeitenwende, des echten Umbruchs. Deswegen feiert die Kirche ganz besonders den Tag seiner Geburt und nicht - wie bei den meisten Heiligen - den irdischen Todestag - den eigentlichen "dies natalis", die Geburt für den Himmel.

Im Vergleich zu dem Umbruch, den Johannes verkündet, sind alle anderen Umbrüche der Weltgeschichte nur wie ein leichtes Beben. Aber Zeiten des Umbruchs versetzen die Menschen in wechselnde Stimmungen zwischen Hoffnung und Angst. Auch mit den Umwälzungen unserer Zeit ist es so. Wir können sie nur dann verkraften, wenn wir vom Glauben her wissen, dass der Grund, der uns trägt, außerhalb jeder Erschütterung liegt: bei Gott, in Christus. Das ist die Botschaft des Johannes: Er kündigt an, dass die eigentliche Erweiterung des Horizonts in uns geschehen soll - auf Christus hin. Der Täufer predigt Umkehr und Besinnung, Warten auf Christus, Hoffnung.

Wir kennen in unserer Zeit diese Stimmungen zwischen Hoffnung und Angst. Vor einigen Jahrzehnten noch stand die heilsverheißende Utopie des totalen Fortschritts vor der Tür, heute - mehr oder weniger säkularisiert - das apokalyptische Drama. Wir wissennicht, wie es morgen sein wird. Alles scheint sich derart ohne unser Zutun zu wandeln, dass man meinen könnte, heute hätte es keinen Sinn mehr, gut zu sein oder wenigstens gut sein zu wollen - denn alles sei ja unumkehrbar, unabwendbar, gewiss. Gestern der Fortschritt, heute die Katastrophe, morgen vielleicht wieder der Fortschritt. Die Kometen mit ihrer Botschaft des Heils oder des Unheils sind auf die Erde heruntergefallen. Wir finden sie unter unsin der Öffentlichkeit. Und mit ihren vermeintlichen Gewissheiten lassen sie der Hoffnung keinen Raum mehr.

Die Verkündigung des Johannes ist voller Drohworte und dramatischer Züge, aber offen für das eigene Tun in Hoffnung. Die Leute laufen zu ihm: Was sollen wir tun?
Hoffen und Tun. Wer auf einen unerschütterlichen Grund hofft, kann angesichts aller zeitbedingten Pendelbewegungen zwischen naivem Optimismus und trübem Pessimismus gelassen bleiben und sich dem ruhigen Tun zuwenden. Wer auf Christus hofft, braucht nicht alle paar Jahre eine Kehrtwendung zu machen. Wohl muß er sehen, dass er - und nicht gleich die Gesellschaft - jeden Tag etwas "tut": ein bisschen anders wird, umkehrt.

Johannes heißt die Menschen hoffen, nicht nur abwarten. Seine Forderungen liegen auf der Ebene des Natürlich-Guten. Er bereitet dadurch die Menschen auf die Ankunft desjenigen vor, der selbst die ganze Wahrheit und das ganze Licht ist. Er predigt keine Utopien. Er lebt in der Wüste, aber er sagt nicht: Flieht in die Wüste! Er ist arm, von allem losgelöst. Aber den Zöllnern - den Bankiers - sagt er nicht: Schmeißt euer Geld weg! Er sagt: Verlangtnicht mehr, als festgesetzt ist - eine natürliche Tugend: Sinn für Gerechtigkeit, Ehrlichkeit. Er kündet den Frieden, aber den Soldaten sagt er nicht: Weglaufen, Desertieren! Er sagt: Misshandelt niemand, erpresst niemand, missbraucht eure Macht nicht, stiftet Frieden! - auch das ist eine natürliche Tugend. Und allen sagt er: wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat! - Habt also Augen für die Not der anderen, habt den Mut zu teilen! Manche fänden ihn heute zu bescheiden, zu wenig "radikal". Und doch ist nichts radikaler als ein stetes Tun in Hoffnung, auf Gott hin lebend, allen Pendelbewegungen entzogen.