Audio des Prälaten: die Kranken besuchen und sich um sie kümmern

"Das erste Werk der leiblichen Barmherzigkeit, zu dem uns die Kirche einlädt, ist der Besuch bei den Kranken und die Sorge um sie. Während seines Erdenlebens hat sich Jesus Christus dieser Aufgabe beständig gewidmet." Der Prälat des Opus Dei fährt fort mit seinen monatlichen Überlegungen zu den geistigen und körperlichen Werken der Barmherzigkeit

vom Prälaten

Weitere Podcasts des Prälaten des Opus Dei über die Werke der Barmherzigkeit

1. Einleitung: die Werke der Barmherzigkeit (4.12.2015)

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Das erste Werk der leiblichen Barmherzigkeit, zu dem uns die Kirche einlädt, ist der Besuch bei den Kranken und die Sorge um sie. Während seines Erdenlebens hat sich Jesus Christus dieser Aufgabe beständig gewidmet, wie es uns viele Szenen des Evangeliums zeigen. So sehen wir ihn unter anderem, wie er die Schwiegermutter des Petrus gesund macht, der Tochter des Jairus die Gesundheit wiedergibt, den Gelähmten am Betesdateich heilt oder sich den Blinden zuwendet, die ihn vor den Toren Jerusalems erwarteten. Der Schmerz dieser Menschen zeigt uns, dass Gott auf sie zugeht und ihnen die Erlösung verkündet, die allen Menschen zu bringen er auf die Erde gekommen ist.

In den Kranken sah der Herr die Menschheit, insofern sie in besonderer Weise der Heilung und Erlösung bedarf. Wenn wir gesund sind, kann uns die Versuchung überkommen, Gott zu vergessen, aber wenn uns das Leben Schmerzen oder Leid beschert, dann kommt uns vielleicht der Schrei des Blinden vor Jericho in den Sinn: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Wenn wir schwach sind, merken wir, dass wir wirklich bedürftige Geschöpfe sind.

Halten also auch wir vor den Schwächen der anderen inne, wie wir es Christus tun sehen. Der Heilige Geist, die unendliche Liebe, wird andere Menschen trösten, indem wir ihnen Gesellschaft leisten, sie aufmuntern oder - je nachdem was der oder die Kranke braucht, indem wir im Schweigen unseren Respekt und unsere Hilfsbereitschaft zum Ausdruck bringen. Wir alle haben jeden Tag viel zu tun und die Menge der uns erwartenden Aufgaben nimmt beständig zu, aber wir dürfen nicht zulassen, dass ein voller Terminkalender uns dazu führt, die Kranken zu vergessen.

Es gibt viele Heilige, die uns ein Beispiel der Nachahmung Christi gegeben haben, auch im Hinblick auf dieses Werk der Barmherzigkeit. So erklärte der hl. Josefmaria häufig, dass das Opus Dei – als könnte es nicht anders gewesen sein – in den Krankenhäusern unter den Kranken geboren wurde. Seit er 1926 oder 1927 nach Madrid gezogen war, arbeitete er unentwegt in mehreren Sozialeinrichtungen mit – im Krankenstift, in der Bruderschaft des hl. Philipp Neri usw. –, von wo aus Krankenhauspatienten und Menschen in den Randgebieten der Hauptstadt betreut wurden. Madrid zählte damals mehr als eine Million Einwohner; die Vororte waren weit voneinander entfernt, es gab nur wenige öffentliche Verkehrsmittel, aber um die Kranken in ihren Häusern und Hütten zu besuchen ging er überall hin – immer zu Fuß –, wo er gebraucht wurde und brachte ihnen die Stärke Christi und die Vergebung Gottes des Vaters. Wie viele Menschen sind wohl dank dieser priesterlichen Arbeit des hl. Josefmaria in den Himmel gekommen!

In diese Krankenhäuser oder an andere Orte ging er, vor allem ab 1933, in Begleitung einiger Jugendlicher, denen er geistliche Hilfe zukommen ließ. Mit ihnen zusammen sprach er liebevoll mit den Kranken, oder sie leisteten ihnen notwendige Dienste wie etwa, sie zu waschen, ihnen die Nägel zu schneiden, sie zu kämmen oder ihnen ein gutes Buch zu besorgen. Viele dieser jungen Männer entdeckten im Kontakt mit dem Schmerz und der Armut anderer Menschen auf neue, intensive Weise Jesus im Kranken und im Bedürftigen.

Meine Töchter und Söhne, Freunde und Freundinnen, die ihr an den apostolischen Initiativen der Prälatur teilnehmt: Diese Sorge um die Armen und Kranken darf nicht ein Kennzeichen der Anfänge bleiben. Das Opus Dei wird jeden Tag in dir und in mir geboren und wächst, wenn wir Erbarmen mit den Verlassenen haben, wenn wir Christus in den Seelen der Menschen unserer Umgebung sehen, besonders jener, die von einem Leid heimgesucht werden.

Lassen wir sie nach dem Beispiel Christi durch unseren Einsatz, unsere Gegenwart, unsere Hilfe, ja sogar durch einen einfachen Telefonanruf, Gottes Barmherzigkeit spüren. Wir können sie von den Schmerzen oder der Einsamkeit ablenken, ihnen geduldig zuhören, wenn sie von den sie bedrückenden Sorgen und Nöten erzählen, ihnen Liebe und Stärke vermitteln, damit sie ihre schwere Lage mit Würde tragen; und sie daran erinnern, dass die Krankheit eine Gelegenheit ist, sich mit dem Kreuz Christi zu verbinden.

Im Weg, dem in aller Welt bekannten Büchlein, schrieb der hl. Josefmaria: „Kind. - Kranker. - Seid ihr nicht versucht, diese Worte ganz in großen Buchstaben zu schreiben? Für einen in Ihn verliebten Menschen sind die Kinder und die Kranken wirklich Er.“ Schon seit seiner Jugend – ich beziehe mich auf den hl. Josefmaria – sah er Christus in den Leidenden, denn Jesus heilte die Kranken nicht nur, sondern er teilte ihr Schicksal. Der Sohn Gottes litt schreckliche Schmerzen. Denken wir nur an seine körperliche und geistliche Erschöpfung im Ölgarten, an die unbeschreiblichen Qualen jedes Hiebes bei der Geißelung, an die unerträglichen Kopfschmerzen und die körperliche Schwäche, die ihn im Laufe der Stunden seiner Passion überkamen…

Auf denen, die krank sind und unter Schmerzen leiden, kann ihre Situation wie eine dunkle und sinnlose Last liegen. Das Leben kann düster und ohne erkennbaren Sinn werden. Wenn Gott also erlaubt, dass wir leiden, dann nehmen wir den Schmerz an. Und wenn wir zum Arzt gehen müssen, dann befolgen wir fügsam, was er uns rät. Seien wir gute Patienten. Bemühen wir uns, mit Gottes Hilfe unsere Lage anzunehmen und wünschen wir unsere Gesundung, um uns großzügig für Gott und unsere Mitmenschen einzusetzen. Aber wenn dies nicht sein Wille ist, dann sollten wir mit Maria sagen: Fiat! So soll es sein! Dein Wille geschehe…

Auf diese Weise werden wir uns im Gebet an Gott wenden und ihm sagen: Ich weiß nicht, was du willst, aber ich verlange auch nicht, dass du es mir erklärst. Wenn du die Krankheit zulässt, dann hilf mir, diese Zeitspanne zu ertragen. Sie soll mich mehr mit dir vereinen, sie soll mich mehr mit denen, die bei mir sind, verbinden, sie soll mich mehr mit allen Menschen eins werden lassen. Und mit Worten des hl. Josefmaria vertrauen wir uns dem Heiligen Geist an: „Geist des Verstandes und des Rates, Geist der Freude und des Friedens: Ich will, was du willst, ich will, weil du willst, ich will, wie du willst, ich will, wann du willst.“

Wie gut tut es der Seele eines jeden, Träger der Barmherzigkeit zu sein! Bitten wir Gott durch seine heilige Mutter, er möge uns stark machen, um die Liebe Gottes denen weiterzugeben, die nicht gesund sind, und nehmen wir in innerem Frieden seine Barmherzigkeit an, wenn sein Wille darin besteht, dass wir uns durch das Kreuz mit ihm vereinen.